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Merken   Drucken   23.06.2012, 17:42 Schriftgröße: AAA

Syrien-Konflikt: Säbelrasseln nach Jetabschuss

Die türkische Regierung kritisiert den Abschuss eines Kampfflugzeugs durch Syrien und berät über Konsequenzen. Das Flugzeug hätte nur einen Aufklärungsflug gemacht und sei kein Kampfjet gewesen.
© Bild: 2012 AFP/ADEM ALTAN
Die türkische Regierung kritisiert den Abschuss eines Kampfflugzeugs durch Syrien und berät über Konsequenzen. Das Flugzeug hätte nur einen Aufklärungsflug gemacht und sei kein Kampfjet gewesen.

Nach dem Abschuss einer türkischen Militärmaschine durch Syrien berät die Führung in Ankara über Konsequenzen. Nach einem derartigen Zwischenfall könne man nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte Präsident Abdullah Gül am Samstag. Ministerpräsident Tayyip Erdogan berief ein zweites Krisentreffen mit ranghohen Sicherheitskräften ein und kündigte entschlossene Schritte an, sobald alle Fakten bekannt seien. Syrien bestätigte den Abschuss der F-4 Phantom, die in seinen Luftraum eingedrungen sei. Türken und Syrer suchten gemeinsam nach den beiden verschwundenen Besatzungsmitgliedern.

Eine türkischer F-4 Kampfjet während eines Übungsfluges über Izmir   Eine türkischer F-4 Kampfjet während eines Übungsfluges über Izmir

"Über einen derartigen Zwischenfall kann man nicht einfach hinweggehen", sagte Präsident Gül. Was immer notwendig sei, werde unternommen. Nach syrischer Darstellung wurde die in niedriger Höhe fliegende F-4 über syrischem Gebiet abgeschossen. Gül sagte dazu, es sei angesichts der hohen Geschwindigkeit der über dem Meer fliegenden Jets normal, wenn sie vorübergehend in fremden Luftraum eindrängen. Neben Erdogan beriet auch Außenminister Ahmed Davutoglu mit dem Generalstab und dem Geheimdienst über Konsequenzen. Nach türkischer Darstellung war die abgeschossene F-4 ein Aufklärer und kein Kampfflugzeug.

Das Flugzeug wurde nach syrischen Angaben einen Kilometer vor der Küste getroffen. Unklar blieb zunächst, warum das syrische Militär die F-4 abschoss. Die Maschine war auf dem Luftwaffenstützpunkt Malatya gestartet und flog in der Nähe des engen Luftkorridors, der die Türkei mit ihren Truppen im Norden der geteilten Insel Zypern verbindet.

Der Zwischenfall könnte die ohnehin angespannten Beziehungen beider Staaten weiter verschlechtern. Das Nato-Mitglied Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition in seinem Land vorgeht. Viele Syrer haben auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen in der benachbarten Türkei Schutz gesucht. Die türkische Regierung plädierte für die Einrichtung von Schutzkorridoren in Syrien, um Flüchtlinge vor Übergriffen zu bewahren. Da dies aber den Einsatz von Soldaten erfordert hätte, nahm die türkische Regierung von solchen Überlegungen Abstand, solange der UN-Sicherheitsrat kein Mandat dafür erteilt.

Die Türkei unterhält in der Nato die zweitgrößte Armee. Sie ist im jahrzehntelangen Kampf gegen kurdische Separatisten so erfahren, dass sie für die durch die bürgerkriegsähnlichen Unruhen geschwächten syrischen Streitkräfte ein schwerer Gegner wäre.

Der Irak wertete den Abschuss der F-4 als Eskalation. Außenminister Hoschijar Sebari warnte vor einem Übergreifen der syrischen Krise auf andere Staaten wie den Irak, Jordanien oder den Libanon. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt und forderte eine vollständige Aufklärung des Zwischenfalls.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 sind nach UN-Schätzungen mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Mindestens 500.000 Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Insgesamt soll sich die Zahl der Hilfsbedürftigen seit März auf 1,5 Millionen verdoppelt haben. Die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen in Syrien dauern an. Nach Angaben von Oppositionellen beschoss die Armee die in der Nähe des Irak gelegene Stadt Deir al-Sor und tötete mindestens 28 Menschen.

Assad bildete derweil seine Regierung um. An der Spitze der Schlüsselressorts für Auswärtiges, Inneres und Verteidigung gab es nach Berichten des Staatsfernsehens jedoch keinen Wechsel.

  • Reuters, 23.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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