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Merken   Drucken   19.08.2009, 22:17 Schriftgröße: AAA

Taliban-Terror: Blutige Wahl in Afghanistan  

Obwohl die Taliban versuchen, die Afghanen vom Wählen abzuhalten, haben sich mehr Wähler als Wahlberechtigte registriert. Die Stimmlokale sind allerdings kaum gesichert. von Britta Petersen (Kabul)
Am Tag vor den afghanischen Präsidentschaftswahlen ist es still in Kabul. Die Mitarbeiter internationaler Organisationen haben seit Tagen Ausgangsverbot. Aber auch die Einheimischen trauen sich nicht auf die Straße: Am Morgen haben Aufständische eine Bank angegriffen. Drei Täter wurden von der Polizei erschossen.
"Die Taliban haben gedroht, dass sie jedem, der mit Tinte am Finger erwischt wird, den Finger abschneiden", sagt Esatullah Saghar - die nicht abwaschbare Tinte soll doppelte Stimmabgaben verhindern. Saghar, Dozent für Literaturwissenschaften, will trotz der Drohung wählen gehen und für Hamid Karsai stimmen. "Karsai hat die Unterstützung des Auslands, daher ist er der beste Mann für Afghanistan", sagt er. In sein Dorf am Stadtrand werde er aber erst zurückkehren, wenn die Tinte restlos verblasst ist.
Die ersten Wahlen vor fünf Jahren waren noch ein friedliches Fest der neu erwachten Demokratie. Nun wird der Urnengang zum Symbol dafür, was schief läuft am Hindukusch. Angesichts des Terrors lässt auch die Organisation der Wahlen zu wünschen übrig. Daran trägt der Westen eine Mitschuld.
Mindestens drei Millionen Wahlkarten zu viel im Umlauf
"Unsere größte Sorge ist, ob die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage sein werden, die 7000 Wahllokale im Land ausreichend zu schützen", sagt Sekria Baraksai, Vizechef der Unabhängigen Wahlkommission (IEC). In den 364 Distrikten könnten vermutlich wegen der Gefahr durch die Taliban rund 600 Wahllokale nicht öffnen, fast zehn Prozent, gibt die IEC zu. Aus Personalmangel können zum Schutz eines Wahllokals statt zehn nur noch drei Polizisten abgestellt werden - theoretisch.
Wie viele Wähler überlegen sich aber auch Polizisten gut, ob sie ihr Leben riskieren wollen. "Wenn ich zur Wahl gehe, bin ich am nächsten Tag tot", ist Massud Mayar überzeugt. Der Spross einer ehedem einflussreichen Großgrundbesitzerfamilie der Provinz Wardak traut sich seit Monaten nicht mehr nach Hause, geschweige denn in ein Wahllokal. Die Taliban haben Wardak, nur eine Stunde südlich von Kabul, vollständig eingenommen.

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