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Merken   Drucken   22.12.2003, 21:03 Schriftgröße: AAA

Tom Ridge: Der Herr der Terror-Farben

Er leitet das neben dem Pentagon größte und derzeit wichtigste US-Ministerium: Tom Ridge ist für den Terrorschutz der USA verantwortlich. Doch fast mehr als gegen potenzielle Attentäter kämpft er um die Kompetenzen seiner Mammutbehörde. von Hubert Wetzel
Tom Ridge   Tom Ridge
Terroralarm ist in Amerika eine Frage der Farbe: Von Grün bis Rot reicht die fünfstufige Skala, anhand der das Heimatschutzministerium die Gefahr eines Anschlags einstuft. Der Herr der Farben ist Tom Ridge. Jedes Mal, wenn die Geheimdienste verstärkte Hinweise auf einen möglichen Anschlag haben, muss er entscheiden, ob der Alarmstatus erhöht wird.
Am Sonntag war es wieder einmal so weit. Am frühen Nachmittag, als die Amerikaner sich auf der Suche nach letzten Weihnachtsgeschenken in den Shopping-Malls drängten, hob Ridge den Status von Gelb ("erhöhtes" Risiko) auf Orange ("hohes" Risiko) an. "Die strategischen Geheimdienstindikatoren, einschließlich der fortgesetzten Bemühungen al-Kaidas, unser Land anzugreifen, sind derzeit vielleicht größer als je seit dem 11. September", ließ er die Bürger ebenso gestelzt wie bedrohlich wissen. "Die Informationen weisen darauf hin, dass Terroristen im Ausland kurz bevorstehende Anschläge planen, die denen in New York und auf das Pentagon nahe kommen oder diese sogar übertreffen."
Ridges Dilemma
Die zwei Sätze spiegeln Ridges ganzes Dilemma wider: Der ehemalige Gouverneur von Pennsylvania soll eine Wiederholung des 11. September verhindern, als Al-Kaida-Terroristen die Supermacht unvorbereitet in ihrem Herz trafen. Daher warnt er regelmäßig vor möglichen Attacken und lässt die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, wichtigen Einrichtungen und Kraftwerken erhöhen. Über vage Hinweise gehen die Warnungen aber nie hinaus.
Für die Normalbürger haben Ridges Warnungen daher kaum praktischen Wert - zumal der Minister sie am Montag gleich wieder aufforderte, bloß nicht auf den Einkaufsbummel oder ihre Weihnachtsreise zu verzichten.
Organisationsprobleme
Ridge hat für Präsident George W. Bush vor allem die Funktion, den Bürgern zu demonstrieren, dass sich die Regierung mit aller Kraft um ihre Sicherheit bemüht. Vor seinem jetzigen Amt leitete der 1945 in Pennsylvania geborene Ridge zunächst das Heimatschutzbüro, eine Abteilung im Weißen Haus. Anfang 2002 schuf Bush daraus ein eigenes Ministerium, unter dessen Dach 22 Behörden mit 18.000 Angestellten vereint wurden. Im Januar 2003 wurde Ridge, ein zweifacher Vater und guter Freund des Präsidenten, als erster Ressortchef vereidigt.
Bis heute wird das Ministerium jedoch von Organisationsproblemen geplagt. Wichtige Posten sind vakant, da das Haus nicht als Karrieresprungbrett gilt. Experten kritisieren zudem, dass entscheidende Sicherheitsbehörden wie der Geheimdienst CIA und die Bundespolizei FBI nicht Ridge unterstellt wurden. So bleibt ihm vor allem die Aufgabe der Kassandra.
  • FTD, 22.12.2003
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