Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.
Teil 2: Der zweite Teufelskreis
„Im Prinzip ja!“, wie Radio Eriwan sagen würde.
Die Krise wird international ein Ausmaß erreichen, dass mit den Mitteln der liberalen Marktwirtschaft nicht mehr beherrschbar ist. Auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 wurde nicht durch den Markt beseitigt, sondern durch die Kriegswirtschaften der 30er Jahre.
Offenkundig ist der angelsächsische Finanzkapitalismus ein Quell der Probleme, da dieser die Bankenkrise hervorgebracht hat.
Die Anstiege der Staatsquoten ging mit dem Rettungspaketen für die Banken einher. Natürlich wäre es besser gewesen man hätte die Banken den Insolvenzverwaltern überlassen, anstatt sie mit Steuerbilliarden zu retten.
Der Staat hat auch nicht grundsätzlich zu viel Personal, alleine im öffentlichen Dienst wurden Millionen Überstunden „angespart“. Polizei und Justiz sind personell überfordert. Die Kindergartengruppen und Schulklassen sind in Deutschland seit Jahrzehnten zu groß und das Personal in den Krankenhäusern und Pflegeanstalten steht unter krank machendem Dauerdruck.
Ihre Anmerkungen zum Thema Freihandel sind „schief“.
Weniger Freihandel führt nicht zu weniger Wohlstand, da mehr Freihandel auch nicht automatisch zu mehr Wohlstand führt.
Auch bedeutet weniger Freihandel nicht, dass es überhaupt keinen internationalen Handel mehr gibt.
In den 1950er und 60er Jahren hatten wir sehr viel weniger internationalen Freihandel, trotzdem nahm der Wohlstand kontinuierlich zu. Die Frage welches Maß an Freihandel für einen Nation gut ist, kann eben nicht mit einem pauschalen „je mehr desto besser“ beantwortet werden. Die Möglichkeit „ungestraft“ Produktion ins Ausland verlagern zu können, vernichtet mehr Wohlstand bei der Bevölkerungsmehrheit, als diese durch „billige“ Importe aus China gewinnt. Sowohl Deutschland als auch die EU haben ein beständiges Außenhandelsdefizit gegenüber der VRC.
Es ist unzutreffend, dass sämtliche in der Geschichte durchgeführten Preiskontrollen zu Wohlstandsverminderung und Armut geführt haben. Diese Lüge ist unter FDP-Anhängern allerdings sehr populär.
Der Wohlstand der Mieter in Deutschland z.B. sinkt, weil die Sozialbindung vieler Wohnung wegfällt, was im Ergebnis zu drastischen Mietsteigerungen führt und indirekt auch die öffentlichen Haushalte belastet.
Weiterhin ist es für den Unternehmer unerheblich, ob Preissenkungsdruck durch die Konkurrenz oder den Verordnungsgeber ausgeübt wird; daher ist auch Ihre weitere Argumentation schon im Ansatz falsch.
Es ist positiv, wenn der Staat Monopolgewinne beschränkt.
Weiterhin sind Ihre Ausführungen zu den Energiekosten falsch. Die Erhöhungen sind zum einen durch die internationalen Energiemärkte und zum anderen durch Preis- und Marktmanipulation der Energiekonzerne und -händler bedingt.
Liberale Propagandaschriftsteller - wie Miess oder Hayek - haben keine geeigneten Vorschläge zur Lösung irgendeines Problems gemacht, noch irgendein Problem auch nur angemessen analysiert.