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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   16.02.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Dani Rodrik - Die Weltgesellschaft findet nicht statt

Auf die Nationalstaaten wurden schon oft Abgesänge angestimmt: Unwichtiger würden sie, ihre Rolle verlieren - wegen der Globalisierung. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
© Bild: 2011 privat
Kommentar Auf die Nationalstaaten wurden schon oft Abgesänge angestimmt: Unwichtiger würden sie, ihre Rolle verlieren - wegen der Globalisierung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. von Dani Rodrik 
Dani Rodrik ist Professor für internationale politische Ökonomie an der Harvard-Universität.

Einer der Grundmythen unserer Zeit ist, dass die Globalisierung den Nationalstaat zur Bedeutungslosigkeit verdammt habe. Die Revolution im Transport- und Kommunikationswesen, so hören wir, habe Grenzen eingedampft und die Welt schrumpfen lassen. Neue Regierungsmodi - von transnationalen Regulierungsnetzen über internationale zivilgesellschaftliche Organisationen bis hin zu multilateralen Institutionen - würden die nationalen Gesetzgeber überwinden und ersetzen. Die nationale Politik sei angesichts der globalen Märkte weitgehend machtlos.
Die globale Finanzkrise hat diesen Mythos zerschmettert. Wer hat denn die Banken gerettet, für Liquidität gesorgt, Steuerimpulse gesetzt und die Sicherheitsnetze für die Arbeitslosen zur Verfügung gestellt, um eine eskalierende Katastrophe aufzuhalten? Wer ist dabei, die Regeln für die Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte umzuschreiben, um zu verhindern, dass sich die Situation wiederholt? Wen betrachten die Menschen als hauptverantwortlich für alles, was schiefgeht? Die Antwort ist immer die gleiche: die nationalen Regierungen. Die G20, der Internationale Währungsfonds und der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht waren überwiegend Nebenschauplätze.
Selbst in Europa, wo die regionalen Institutionen vergleichsweise stark sind, werden die politischen Entscheidungen überwiegend von nationalen Interessen und nationalen Politikern bestimmt - primär von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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Doch obwohl der Nationalstaat überlebt, liegt sein Ruf in Scherben. Er steht intellektuell von zwei Seiten aus unter Beschuss. Erstens ist da die Kritik der Ökonomen, die die Regierungen als Hemmnis für den freien Waren- und Kapitalfluss und die Freizügigkeit auf der Welt betrachten. Man müsse die nationale Politik hindern, sich mit ihren Regeln und Barrieren einzumischen, so behaupten sie, und dann würden die globalen Märkte das schon machen und dabei eine stärker integrierte, effizientere Weltwirtschaft schaffen.
Aber wer soll den Märkten Regeln geben, wenn nicht die Nationalstaaten? Laisser-faire ist ein Rezept für weitere Finanzkrisen und größere politische Gegenbewegungen. Mehr noch: Es würde erfordern, die Wirtschaftspolitik internationalen Technokraten zu überantworten, die vom Gezerre und Geschiebe der Politik weit weg sind - eine Haltung, die Demokratie und politische Rechenschaftspflicht schwer beschränkt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Laisser-faire und internationale Technokratie bieten keine Alternative zum Nationalstaat. Die Erosion des Nationalstaats nützt den globalen Märkten wenig, solange praktikable globale Lenkungsmechanismen fehlen.

Teil 2: Die Basis für eine "globale Ethik"

  • Aus der FTD vom 16.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.02.2012 11:55:06 Uhr   hennes: Ende des Nationalstaats?

    Für 'Topökonomen' mag dies ja eine neue Erkenntnis sein - in der Geschichtswissenschaft nicht. Auch die Vorstellung, dass die EU den Nationalstaat ersetzt scheint auf einem grossen Missverständnis zu beruhen.. Dem steht die These entgegen, dass die Europäische Integration den Nationalstaat gestärkt hat
    http://www.esiweb.org/enlargement/?cat=89#awp::?cat=89
    http://research.barcelonagse.eu/tmp/working_papers/586.pdf

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