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Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   20.10.2010, 12:38 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Dani Rodrik - Können Entwicklungsländer die Weltwirtschaft tragen?

Erst kam die Finanzkrise, dann kam neue Hoffnung. Viele Ökonomen riefen Schwellenländer wie Brasilien und China zum Wachstumsmotor aus. Doch der Optimismus ist übertrieben. Als Lokomotive für die Weltwirtschaft taugen sie nicht.
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Erst kam die Finanzkrise, dann kam neue Hoffnung. Viele Ökonomen riefen Schwellenländer wie Brasilien und China zum Wachstumsmotor aus. Doch der Optimismus ist übertrieben. Als Lokomotive für die Weltwirtschaft taugen sie nicht. von Dani Rodrik 
In der Anfangszeit der weltweiten Finanzkrise herrschte ein gewisser Optimismus, dass Entwicklungsländer dem Abschwung entgehen würden, den die fortgeschrittenen Industrieländer erfuhren.
Schließlich waren es dieses Mal nicht sie, die sich auf finanzielle Ausschweifungen eingelassen hatten und ihre wirtschaftlichen Grundlagen wirkten solide. Doch diese Hoffnungen zerschlugen sich, als die internationale Kreditvergabe austrocknete, der Handel zusammenbrach und Entwicklungsländer in die gleiche Abwärtsspirale gerieten wie die Industrieländer.
Doch sowohl der international Handel als auch die Finanzwirtschaft haben sich erholt und nun ist eine noch ehrgeizigere Version des Szenarios in Umlauf. Ungeachtet der unheilvoll gedrückten Stimmung, die nach Europa und in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist, so heißt es, steuern die Entwicklungsländer auf starkes Wachstum zu. Noch bemerkenswerter ist, dass manch einer jetzt erwartet, dass die Entwicklungsländer zum Wachstumsmotor der Weltwirtschaft werden. Otaviano Canuto, einer der Vizepräsidenten der Weltbank, und seine Mitarbeiter haben gerade einen langen Bericht vorgelegt, der Argumente für diese optimistische Prognose liefert.
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Es gibt viele Gründe, warum solcher Optimismus nicht völlig abwegig ist. Die meisten Entwicklungsländer haben ihre Staats- und Finanzhaushalte in Ordnung gebracht und sind nicht mit hohen Schulden belastet. Mit der Qualität der Politikgestaltung geht im Allgemeinen eine Verbesserung der Regierungsführung einher. Durch die Beteiligung an internationalen Produktionsnetzwerken ergeben sich vielfältigere Möglichkeiten für Technologietransfer als je zuvor.
Darüber hinaus muss das langsame Wachstum in den Industrieländern die Leistungsfähigkeit der Entwicklungsländer nicht belasten. Langfristiges Wachstum hängt nicht von der Außennachfrage ab, sondern von der Bedarfsbefriedigung im Inland. Das Wachstum nimmt nachhaltig schnell zu, wenn ärmere Länder zum Produktivitätsniveau reicher Länder aufschließen - nicht wegen des Wachstums in den reichen Ländern selbst. Für die meisten Entwicklungsländer ist diese "Konvergenzlücke" gegenwärtig größer als sie es seit den 1970er-Jahren jemals gewesen ist. Das Wachstumspotenzial ist also entsprechend größer.
Damit wären wir dann aber auch beim Ende der guten Nachrichten. Nachhaltiges Wachstum setzt eine Wachstumsstrategie voraus und die meisten Entwicklungsländer haben bisher noch keine, die sie unwiderruflich auf den Weg der wirtschaftlichen Konvergenz bringen würde.
Für zu viele dieser Länder war das Wirtschaftswachstum in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf eine Kombination aus zwei Faktoren angewiesen: Eine natürliche Erholung von vorherigen Finanzkrisen (wie in Lateinamerika) oder von politischen Konflikten und Bürgerkriegen (wie in Afrika) und hohe Rohstoffpreise. Im Hinblick auf die produktive Transformation, die für Entwicklungsländer notwendig ist, bietet keiner der beiden Faktoren Verlass.
Betrachten wir zum Beispiel das Wachstumsmodell Lateinamerikas in den letzten beiden Jahrzehnten. Der globale Wettbewerb hat viele Branchen in der Region auf Vordermann gebracht und bedeutende Produktivitätssteigerungen in fortschrittlichen Sektoren gefördert, diese Zuwächse blieben jedoch auf ein kleines Wirtschaftssegment beschränkt.

Teil 2: Das asiatische Modell könnte an seine Grenzen stoßen

  • FTD.de, 20.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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