Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.
Esther Dyson ist die Chefin von Edventure Holdings, einer Investmentgesellschaft, die in diversen Start-up-Unternehmen in aller Welt investiert. Über ihre Firma hält Dyson Beteiligungen in den Sektoren IT, Healthcare, private Luftfahrt und bemannte Raumfahrt
Mitte Dezember fand ich auf Twitter eine Nachricht, die die aktuelle Lage in Russland auf den Punkt bringt. Eine junge Frau schrieb auf Russisch: "Muss ins Bett! Morgen gehe ich zum Peeling, dann zum Meeting und dann zum Shopping." Peeling, Meeting und Shopping waren tatsächlich die englischen Wörter in kyrillischer Schrift.
Das lässt tief blicken: Russlands Proteste - eben auch "Mitings" genannt - sind nicht mehr nur für Alte, Radikale oder arbeitslose, ungelernte, wilde Jugendliche. Sie sind bei der kultivierten Mittelschicht angekommen, die nicht nur für Politik Zeit und Geld hat, sondern auch für Shopping und sogar für Kosmetiktermine.
Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders. Meine russischen Freunde, vor allem Informatiker, hatten keinen Sinn für Politik. Das sei doch nur etwas für Naive oder Korrupte. Von den Älteren wählten viele eine wissenschaftliche Laufbahn (und dann Software). Das wären nämlich die einzigen Bürojobs, bei denen Politik so gut wie keine Rolle spielte. Diese Menschen mieden die Politik aus Prinzip, aber auch, weil sie Angst hatten, ihre Jobs beim Staat zu verlieren oder einfach von der Bildfläche zu verschwinden.
Den Jüngeren sind solche Befürchtungen fremd. Aber sie haben schlichtweg keine Lust, bei etwas, das für ihr Leben ohnehin nicht von Belang zu sein scheint, auf der Zuschauerbank zu sitzen. Ein bisschen ist ja wie beim Fußball: Auch da kann man den Ausgang des Spiels von der Tribüne aus nicht beeinflussen, aber da macht das Zuschauen wenigstens Spaß und es gibt klare Regeln. Im russischen Politikbetrieb ist das anders: Wie's ausgeht, ist von vorn herein klar, nur die Regeln, die kann keiner vorhersehen, witzeln vor allem Ältere.
Teil 2: Bei Facebook lernen die Menschen, sich eine Meinung zu bilden
Nur so lange ACTA noch nicht geltendes Recht ist, leben wir in einer DEMOKRATIE!