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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   23.03.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: George Soros - Europa droht mehr als ein verlorenes Jahrzehnt

Die finanziell angeschlagenen Staaten werden durch Deutschlands Forderungen zur Wettbewerbsfähigkeit noch mehr in die Enge getrieben. Die Kluft zwischen Überschuss- und Defizitländern wird  zunehmen. Und der Zusammenhalt der Union gerät in Gefahr.
© Bild: 2010 Bloomberg
Kommentar Die finanziell angeschlagenen Staaten werden durch Deutschlands Forderungen zur Wettbewerbsfähigkeit noch mehr in die Enge getrieben. Die Kluft zwischen Überschuss- und Defizitländern wird zunehmen. Und der Zusammenhalt der Union gerät in Gefahr. von George Soros 
Die Euro-Krise wird zwar allgemein ausschließlich als Währungskrise betrachtet, aber sie ist auch eine Staatsschuldenkrise - und noch mehr eine Bankenkrise. Die Komplexität der Situation stiftet Verwirrung und diese Verwirrung hat politische Folgen.
Tatsächlich ist Europa nicht nur mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise konfrontiert, sondern infolgedessen auch mit einer politischen Krise. Die verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten verfolgen stark abweichende Strategien, die eher ihre Meinungen als ihre wahren nationalen Interessen widerspiegeln - ein Kampf der Sichtweisen, der den Keim des ernsthaften politischen Konflikts in sich trägt.
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In Wahrheit wird die in Kürze in Europa umzusetzende Lösung von Deutschland diktiert sein, dessen staatliche Kredite für jede Lösung notwendig sind. Die Bemühungen Frankreichs, das Ergebnis zu beeinflussen, sind letztlich durch die Abhängigkeit von seiner engen Allianz mit Deutschland hinsichtlich seines AAA-Länderratings beschränkt.
Für Deutschland sind diejenigen Länder schuld an der Krise, die ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren und Schulden angehäuft haben. Infolgedessen schiebt Deutschland die gesamte Last der Anpassung den Schuldnerländern zu. Allerdings lässt dieser Ansatz den bedeutenden Anteil Deutschlands an der Verantwortung für die Währungs- und Bankenkrise, wenn nicht gar für die Staatsschuldenkrise, völlig außer Acht.
Als der Euro eingeführt wurde, erwartete man, dass die neue Währung unter den Ökonomien der Eurozone Konvergenz herbeiführen werde. Stattdessen brachte der Euro Divergenz. Die Europäische Zentralbank behandelte die Staatsschulden aller Mitgliedsstaaten als im Wesentlichen risikolos und akzeptierte deren Staatsanleihen im Rahmen ihres Diskontfensters zu gleichen Bedingungen. Dies bewog Banken, die verpflichtet waren, risikolose Vermögenswerte zu halten, um den Liquiditätsanforderungen gerecht zu werden, sich ein paar Extra-Basispunkte zu sichern, indem man sich Schuldtitel schwacher Länder auflud.
Dadurch sanken die Zinssätze in den so genannten PIIGS-Ländern (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien), wodurch die Entstehung von Immobilienblasen geschürt wurde. Dies genau zu der Zeit, als Deutschland aufgrund der Wiedervereinigung seinen Gürtel enger schnallen musste. Diese Entwicklung führte sowohl zu Divergenz hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit als auch zu der Bankenkrise in Europa, die deutsche Banken stärker traf als andere.
Tatsächlich rettete Deutschland die schwer verschuldeten Länder, um sein eigenes Bankensystem zu schützen. So entstanden beispielsweise Irlands massive Staatsschulden, weil die auf die Rettung des Bankensystems erpichten Behörden der Eurozone Irland zwangen, seine Banken als Bedingung für ihre Weiterführung zu verstaatlichen. Weil also die von Deutschland auferlegten Maßnahmen das Bankensystem schützen, indem man ausstehende Staatsschulden als sakrosankt behandelt, müssen die Schuldnerländer die gesamte Last der Anpassung tragen.

Teil 2: Ein gewisser Widerspruch

  • FTD.de, 23.03.2011
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