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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   07.06.2011, 11:02 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: J. Bradford DeLong - USA haben auf Sand gebaut

In der Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrtausends erlebten die Vereinigten Staaten einen Bauboom. Zwischen 2003 und 2006 stiegen die jährlichen Bauausgaben auf ein Niveau, das weit über dem langfristigen Trend lag.
© Bild: 2011 reuters
Kommentar In der Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrtausends erlebten die Vereinigten Staaten einen Bauboom. Zwischen 2003 und 2006 stiegen die jährlichen Bauausgaben auf ein Niveau, das weit über dem langfristigen Trend lag. von J. Bradford DeLong 
J. Bradford DeLong ist ehemaliger Staatssekretär im US-Finanzministerium, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley und wissenschaftlicher Mitarbeiter des amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstituts National Bureau for Economic Research.
J. Bradford DeLong   J. Bradford DeLong
Anfang 2007 war man also in den USA im Wesentlichen mit Bauten überversorgt: Bei den Bauinvestitionen lag man ungefähr 300 Milliarden Dollar über dem langjährigen Trend.
Als diese Gebäude errichtet wurden, rechnete man damit, dass sie sich mehr als amortisieren würden. Allerdings war deren Rentabilität von zwei unsicheren Faktoren abhängig: von einem anhaltenden Rückgang der riskanten langfristigen realen Zinssätze und einem anhaltendem Optimismus hinsichtlich der Immobilien als Vermögenswert. Beides trat nicht ein.
Im Jahr 2007 konnte man daher vernünftigerweise davon ausgehen, dass die Bauausgaben in den USA für einige Zeit gedämpft sein werden. Da die gesamten Bauausgaben 300 Milliarden Dollar über dem Trendniveau lagen, würden sie mehrere Jahre lang 300 Milliarden unter dem Trend liegen müssen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen.
Das Top-Kreditrating der USA ist ...

 

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In 2007 wurde daher allgemein mit einem Abschwung aufgrund schwindender Bauausgaben gerechnet. Und Anfang des Jahres fielen die Bauausgaben auch tatsächlich unter den Trend. Allerdings erwarteten wir einen leichten Rückgang: nämlich einen jährlichen Rückgang der Bauausgaben von 150 Milliarden Dollar über zwei Jahre oder von 100 Milliarden Dollar jährlich über drei Jahre oder 75 Milliarden Dollar jährlich über vier Jahre. Stattdessen sanken die Ausgaben allein im Jahr 2007 auf 300 Milliarden unter den Trend und blieben über vier Jahre niedrig. Außerdem besteht keinerlei Aussicht auf so etwas wie eine rasche Rückkehr zu normalen Verhältnissen.
Nach Abschluss dieses Baukonjunkturzyklus, werden die USA zunächst also einen Ausgabenüberhang von 300 Milliarden Dollar über dem Trend zurückblicken und später auf nicht getätigte Bauinvestitionen im Ausmaß von insgesamt 2 Billionen Dollar. Der Nettoeffekt wird einen Bauausgabenrückstand von mindestens 1,7 Billionen Dollar ergeben. Dieser Wert entspricht vielen nicht gebauten Einfamilienhäusern, Wohnsiedlungen, Büro- und Geschäftshäusern - und zeigt die enorme Diskrepanz zwischen dem Ausmaß des jüngsten Baubooms und der Dimension der gegenwärtigen Baukrise auf.

Teil 2: Hoffnungsschimmer makroökonomisches Trümmerfeld

  • FTD.de, 07.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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