Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.
J. Bradford DeLong ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley und ehemaliger stellvertretender Staatssekretär im US-Finanzministerium.
Die ersten beiden Komponenten der Euro-Krise - eine Bankenkrise, die auf übermäßiger Kreditvergabe im öffentlichen und im privaten Sektor beruhte, gefolgt von einem steilen Verlust des Vertrauens in die Regierungen der Euro-Zone- wurden erfolgreich in Angriff genommen, zumindest zum Teil. Doch es bleibt noch der dritte, langfristigste und auch gefährlichste Faktor, der für die Krise mitverantwortlich ist: das strukturelle Ungleichgewicht zwischen dem Norden und dem Süden der Euro-Zone.
Zunächst die gute Nachricht: Die Angst, dass Europas Banken zusammenbrechen könnten und panische Investoren ihr Geld fluchtartig in Sicherheit bringen, was zu einer großen europäischen Depression führen würde, scheint nun vorbei zu sein. Ebenso verfliegt langsam die vollständig von der dysfunktionalen Politik der Europäischen Union ausgelöste Angst, einige Regierungen der Euro-Zone könnten zahlungsunfähig werden, was dieselben unheilvollen Folgen hätte.
Die Frage, ob Europa eine tiefe Depression vermeiden würde, hing davon ab, ob es diese beiden Aspekte der Krise richtig bewältigte. Doch ob Europa als Ganzes mehrere Jahrzehnte Wirtschaftswachstum verliert, ist immer noch unklar und hängt davon ab, ob es den südeuropäischen Regierungen gelingt, ihre Wettbewerbsfähigkeit schnell wiederherzustellen.
Der Prozess, durch den Südeuropas Wettbewerbsfähigkeit überhaupt erst verloren ging, war von der Signalwirkung der Marktpreise bestimmt - von den Anreizen, die diese Signale für Unternehmer setzten, und davon, wie sich die einzeln betrachtet rationalen Reaktionen der Unternehmer auf die Volkswirtschaften auswirkten. Nordeuropäer mit Geld zum Investieren waren bereit, dieses Geld den Südeuropäern, die es ausgeben wollten, zu außerordentlich lockeren Bedingungen zu leihen. Zudem veranlassten die großzügigen Ausgaben vor 2007 die dortigen Arbeitgeber dazu, die Löhne schnell steigen zu lassen.
Infolgedessen entstand in Südeuropa eine Wirtschaftsstruktur, in der die Lohn-, Preis- und Produktivitätsniveaus nur so lange einen Sinn ergaben, wie für jeweils 12 Euro, die eingenommen wurden, 13 Euro ausgegeben wurden. Dabei finanzierte Nordeuropa den fehlenden Euro. In der Zwischenzeit stellten sich in Nordeuropa Lohn- und Produktivitätsniveaus ein, die nur so lange einen Sinn ergaben, wie hier für jeden Euro, der verdient wurde, weniger als 1 Euro ausgegeben wurde.
Wenn Europa nun, wie es den Anschein hat, nicht mehr will, dass der Süden mehr ausgibt, als er verdient, und der Norden weniger ausgibt, müssen sich die Löhne, Preise und die Produktivität verschieben.
Wenn wir in einer Generation nicht zurückblicken und verlorenen Jahrzehnten nachtrauern wollen, muss die südeuropäische Produktivität im Verhältnis zum Norden steigen. Und das Lohn- und Preisniveau muss um etwa 30 Prozent fallen, damit der Süden mit seinen Exporten auf einen grünen Zweig kommt - und Nordeuropa seine Einnahmen für diese Produkte ausgeben kann.
Um den Euro zu erhalten und eine Stagnation zu vermeiden, könnte man es mit fünf politischen Maßnahmen versuchen:
Option eins: Nordeuropa könnte eine höhere Inflation hinnehmen - zwei Prozentpunkte mehr für fünf Jahre würden ein Drittel der gesamten Nord-Süd-Anpassung bewältigen.
Option zwei: Nordeuropa könnte den Sozialstaat ausweiten.
Option drei: Südeuropa könnte seine Steuern und Sozialleistungen erheblich verringern.
Option vier: Südeuropa könnte seine Unternehmen so umstrukturieren, dass sie zu Motoren der Produktivität werden.
Option fünf: Südeuropa könnte eine Deflation erzwingen. Die fünfte Option ist vielleicht die unklügste, da sie die verlorenen Jahrzehnte und den EU-Zusammenbruch zur Folge hätte, den Europa zu vermeiden versucht.
Die vierte Option wäre wundervoll, doch wenn irgendjemand wüsste, wie man Südeuropas Unternehmen auf das Produktivitätsniveau des Nordens bringt, wäre es bereits geschehen.
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Also bleibt uns eine Kombination der ersten drei Optionen, die auch als "Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wachstums in Europa" bekannt sind - es ist eine Phrase, die in jedem internationalen Kommuniqué zur Krisenbewältigung auftaucht. Doch werden die Kommuniqués niemals deutlicher. Europas Technokraten wissen, was die Einführung von "Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wachstums in Europa" bedeutet. Ebenso einige europäische Politiker. Nicht so die europäischen Wähler, da die Politiker befürchten, klare und deutliche Worte könnten die eigenen Karrierechancen verringern.
Doch wenn sich Europa in den nächsten fünf Jahren nicht irgendeine Kombination aus den ersten drei Optionen als politisches Ziel setzt, steht es vor einer harten Wahl: entweder verlorene Jahrzehnte für Südeuropa (und vielleicht auch Nordeuropa) oder anhaltende Zahlungsungleichgewichte zwischen Nord und Süd, die durch fiskalische Transfers finanziert werden müssen - das heißt durch die Besteuerung des Nordens.
Die nordeuropäischen Politiker sollten expliziter sagen, was "Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wachstums in Europa" eigentlich bedeuten. Andernfalls werden sie in zehn Jahren eingestehen müssen, dass ihr heutiges Zaudern Nordeuropa gewaltige zusätzliche Steuerverpflichtungen auferlegt hat. Das könnte sich als ultimativer Karrierekiller erweisen.
Herr DeLong, behalten sie ihren Schwachsinn für sich, der verfängt in Nordeuropa nicht. Wir wissen, daß sie die EU- Länder im Sinne der heruntergewirtschafteten US- Regierung manipulieren wollen. Das können sie bestenfalls im US- Wahlkampf verwenden, aber die Wirklichkeit wird sie bald einholen....