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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   09.12.2010, 11:11 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Joseph E. Stiglitz - Meine fünf Sparvorschläge für Amerika

Statt die Bevölkerung mit Sozialabbau zu quälen und den Aufschwung abzuwürgen, sollten die USA, aber auch andere Staaten lieber sozial und wachstumsfördernd ihre Budgets kürzen. Dazu gehört auch, Wohltaten für Konzerne abzuschaffen.
© Bild: 2010 ftd.de
Kommentar Statt die Bevölkerung mit Sozialabbau zu quälen und den Aufschwung abzuwürgen, sollten die USA, aber auch andere Staaten lieber sozial und wachstumsfördernd ihre Budgets kürzen. Dazu gehört auch, Wohltaten für Konzerne abzuschaffen. von Joseph Stiglitz
Joseph Stiglitz  ist Professor an der Columbia University und Nobelpreisträger für Wirtschaft
Die große Rezession ist vorbei, doch viele Länder schreiben nun Defizite, die für Friedenszeiten beispiellos sind. Die Sorgen um die Staatsschulden führen häufig zu neuen Sparmaßnahmen - eine Politik, die höchstwahrscheinlich die Volkswirtschaften schwächen und das Wachstum verlangsamen wird. Wer auf einen großen Defizitabbau hofft, wird bitter enttäuscht werden, da die Konjunkturschwäche die Steuereinnahmen drücken und die Nachfrage nach Sozialleistungen steigern wird.
Joseph Stiglitz   Joseph Stiglitz
Der Versuch, das Schuldenwachstum zu begrenzen, dient der geistigen Fokussierung - er zwingt die Länder, sich auf ihre Prioritäten zu konzentrieren und eine Einschätzung ihrer Werte vorzunehmen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten in nächster Zeit massive Haushaltskürzungen wie in Großbritannien beschließen werden. Doch die langfristige Prognose ist so trostlos, dass Präsident Barack Obama eine überparteiliche Kommission zur Defizitreduzierung ernannt hat, deren Vorsitzende bereits einen kurzen Einblick gegeben haben, wie ihr Bericht aussehen könnte.
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Eigentlich ist der Abbau eines Defizits eine einfache Sache: Man muss entweder die Ausgaben kürzen oder die Steuern anheben. Es ist jedoch bereits klar, dass der Plan zur Defizitreduzierung, zumindest in den USA, darüber hinausgeht: Es ist ein Versuch, die sozialen Sicherungssysteme zu schwächen, die Progressivität des Steuersystems zu verringern und die Rolle des Staates zu verkleinern - während etablierte Interessengruppen, wie der militärisch-industrielle Komplex, so wenig beeinträchtigt werden wie möglich.
In den USA (und einigen anderen Industrieländern) muss jeder Sparplan in den Zusammenhang der Geschehnisse der vergangenen zehn Jahre eingeordnet werden. Dazu zählen: 1. Eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben, angeheizt von zwei sinnlosen Kriegen. 2. Zunehmende Ungleichheit, wobei das oberste Prozent der Bevölkerung mehr als 20 Prozent des Nationaleinkommens einstreicht, begleitet von einer Schwächung der Mittelschicht: Das mittlere Einkommen der US-Privathaushalte ist im letzten Jahrzehnt um mehr als fünf Prozent gefallen und war selbst vor der Rezession rückläufig. 3. Zu geringe Investitionen in den staatlichen Sektor, einschließlich Infrastruktur, was auf dramatische Weise durch die Dammbrüche in New Orleans belegt wurde. 4. Eine Zunahme der wohltätigen Maßnahmen für Unternehmen - von Bankenrettungspaketen über Ethanolsubventionen bis hin zu einer Fortsetzung der Agrarsubventionen, auch wenn die Welthandelsorganisation entschieden hat, dass diese Subventionen illegal sind.
Insofern ist es relativ einfach, einen Plan zum Defizitabbau zu formulieren, der die Effizienz steigert, das Wachstum stützt und die Ungleichheit reduziert. Dazu sind fünf Hauptvoraussetzungen erforderlich. Erstens sollten die Ausgaben für öffentliche Investitionen mit hohem Ertrag erhöht werden. Selbst wenn dies kurzfristig auch zu einem höheren Defizit führt, wird es die Staatsschulden langfristig verringern. Welches Unternehmen würde sich nicht auf Investitionsmöglichkeiten stürzen, die Renditen von über zehn Prozent bieten, wenn es sich - wie die US-Regierung - Kapital für weniger als drei Prozent Zinsen leihen könnte?
Zweitens müssen die Militärausgaben gekürzt werden - nicht nur die für die sinnlosen Kriege, sondern auch die für Waffen, die nicht funktionieren, gegen Feinde, die nicht existieren. Die USA haben weitergemacht, als wäre der Kalte Krieg nie beendet worden, und geben so viel für die Verteidigung aus wie der Rest der Welt zusammen.

Teil 2: Krasse Vorteile für Pharmaunternehmen

  • FTD.de, 09.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 12.12.2010 09:48:03 Uhr   Hans von Atzigen: Stiglitz

    Offenbar ist auch den Starökonomen entgangen, das Wirtschaftsabläufe in grösseren Zeiträumen ablaufen.
    Die eingetretenen Verwerfungen, lassen sich nicht im Quartalsabschlussrytmus Korrigieren.
    Der zwar schwammig, aber immerhien angedachte Ansatz der zweckgebundenen Geldschöpfung, hingegen ist zweifelsfrei exzelent.

  • 11.12.2010 15:55:02 Uhr   Schmauder, Hermann: Fünf Sparvorschläge - ein Pentagrom -
  • 11.12.2010 05:46:08 Uhr   Bushy: Stiglitz ,ja
  • 09.12.2010 20:09:02 Uhr   Christian: @khaproperty
  • 09.12.2010 19:36:23 Uhr   buddy: stieglitz
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