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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   22.03.2011, 09:11 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Roach - Das wirtschaftliche Nachbeben kommt noch

Die direkte Wirkung der Katastrophe in Japan auf die globale Konjunktur ist relativ gering. Das asiatische Land wird mit den Folgen fertig. Wesentlich bedeutender ist die Frage, in welchem Ausmaß die Schocks die Welt noch weiter in die Bredouille bringen.
Kommentar Die direkte Wirkung der Katastrophe in Japan auf die globale Konjunktur ist relativ gering. Das asiatische Land wird mit den Folgen fertig. Wesentlich bedeutender ist die Frage, in welchem Ausmaß die Schocks die Welt noch weiter in die Bredouille bringen. von Stephen S. Roach
Stephen S. Roach lehrt an der Yale University, ist früherer Topmanager von Morgan Stanley Asia und Autor des Buchs "Das neue Asien" (Wiley 2009).
Erdbeben in Japan Luftaufnahmen der Katastrophe
Die Verwüstungen durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan sind sowohl in menschlicher als auch in materieller Hinsicht unfassbar. Zu diesem Zeitpunkt ist es unmöglich, das volle Schadensausmaß auch nur annähernd zu beziffern. Dennoch kann mit einer Einschätzung der möglichen Auswirkungen auf Asien und andere große Volkswirtschaften der Welt begonnen werden.
Der beschränkte Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Katastrophe zeigt, dass Japan in Wahrheit gar keine so große Rolle mehr spielt. Denn über 20 Jahre ungewöhnlich träge Wachstumstrends in der japanischen Produktion haben die inkrementelle Bedeutung des Landes für die Weltwirtschaft drastisch reduziert. Die Katastrophe führt vielleicht zu einigen unverhältnismäßigen Auswirkungen auf die Lieferketten in den Bereichen Automobil und Produktlinien der Informationstechnologie wie etwa bei USB-Sticks, aber diese Unterbrechungen werden wohl zeitweiligen Charakter haben.
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Stand der Informationen: 6. April 2011, 13 Uhr (MEZ)


Oberflächlich betrachtet haben die beiden größten Ökonomien der Welt wenig zu befürchten. Lediglich 5 Prozent der amerikanischen Exporte gehen nach Japan, für China beträgt dieser Wert 8 Prozent. Selbst im schlimmsten Fall einer vollständigen Unterbrechung der japanischen Wirtschaft wären die direkten Auswirkungen auf die Ökonomien der Vereinigten Staaten oder China gering - und würden nicht mehr als ein paar Zehntelprozentpunkte ihrer jährlichen Wirtschaftswachstumsraten kosten.
Der Atomausstieg ist...

 

Der Atomausstieg ist...

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Von den so genannten G-10-Industrieländern weist Australien das stärkste direkte Engagement in Japan auf - etwa 19 Prozent seiner gesamten Exporte sind für dieses Land bestimmt. Am anderen Ende dieses Spektrums befindet sich die Eurozone, von deren Gesamtexporten weniger als 2 Prozent nach Japan gehen.
Unter den Schwellenländern haben die Philippinen und Indonesien die stärksten Handelsverbindungen nach Japan, wohin etwa 16 Prozent ihres gesamten Exportvolumens geht. Die drittgrößte Ökonomie in Ostasien, Südkorea, liegt am anderen Ende der Skala. Lediglich 6 Prozent seiner Exporte verlassen das Land in Richtung Japan.
Allerdings lässt dieser beschränkte Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, die alles entscheidende Überlegung außer Acht: Dieser "Japan-Schock" ereignet sich nämlich nicht gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher Stärke. Das gilt nicht nur für Japan selbst, wo seit den frühen 1990er Jahren zwei verlorene Jahrzehnte eine einst dynamische Volkswirtschaft auf einen Wachstumskurs von weniger als 1 Prozent zurückwarfen. Es gilt auch für die Weltwirtschaft insgesamt, die sich gerade erst von den Folgen der schlimmsten Finanzkrise und Rezession seit den 1930er Jahren zu erholen begann.
Außerdem ist der Japan-Schock nicht der einzige negative Faktor, der heutzutage eine Rolle spielt. Die Auswirkungen drastisch steigender Ölpreise und anhaltender Staatsschuldenprobleme in Europa sind ebenfalls sehr beunruhigend. Jeder dieser Schocks für sich allein kommt vielleicht nicht als der sprichwörtliche Tropfen infrage, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber die Kombination und der Zusammenhang sind, gelinde gesagt, irritierend.

Teil 2: Erholungsphasen verlaufen tendenziell anämisch

  • FTD.de, 22.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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