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Merken   Drucken   13.05.2005, 12:37 Schriftgröße: AAA

Tote bei Unruhen in Usbekistan  

Bei schweren Unruhen sind in der zentralasiatischen Republik Usbekistan neun Menschen getötet worden. Bewaffnete Banden hatten in der Nacht Waffen aus einer Kaserne geraubt und danach Tausende Häftlinge aus einem Gefängnis befreit.
Ein brennends Kino in Usbekistan   Ein brennends Kino in Usbekistan
Das Büro von Präsident Islam Karimow teilte mit, bei den Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften in der Stadt Andidschan im Osten des Landes seien 34 Menschen verletzt worden. In der Hauptstadt Taschkent erschoss die Polizei vor der israelischen Botschaft einen offenbar verwirrten Mann, den die Sicherheitskräfte für ein Selbstmordattentäter hielten. Die Nachbarstaaten Kasachstan und Kirgisien schlossen vorsorglich ihre Grenzen.
Die Rebellen besetzten ein Regierungsgebäude und nahmen zehn Polizeibeamte als Geiseln. Rund 2000 Demonstranten versammelten sich im Stadtzentrum. Mehrere Gebäude standen in Flammen. Das usbekische Außenministerium bestritt allerdings, dass Regierungsgebäude besetzt worden seien. Mit den Rebellen werde verhandelt, hieß es. Usbekistan ist in der Vergangenheit immer wieder wegen der schlechten Behandlung von Moslems kritisiert worden, die sich nicht der staatlich gelenkten Religionsführung unterordnen wollen.
Regierung blendete Nachrichten aus
Die Regierung nahm am Freitag ausländische Nachrichtensender aus dem Fernsehprogramm und ersetzten sie durch ein Unterhaltungsprogramm. Betroffen waren die Sender CNN und BBC. Sicherheitskräfte riegelten die gesamte Stadt ab und errichteten Kontrollpunkte an den Ausfallstraßen. Quer gestellte Busse und Lastwagen blockierten die Einfahrten in die Stadt. Immer wieder war Gewehrfeuer zu hören.
Präsident Karimow regiert Usbekistan, eine ehemalige Sowjetrepublik mit 26 Millionen Einwohnern seit 1989. Der bevölkerungsreichste Staat Zentralasiens ist gleichzeitig einer der ärmsten der Region. Karimow zog sich mehrfach ausländische Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen zu. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen gibt es in dem Land bis zu 6.000 politische Häftlinge, die unter dem Vorwurf des religiösen Fanatismus festgehalten werden.
Rebellen fordern Freilassung eines Theologen
"Wir haben zu viel erlitten, die Menschen sind in die Verzweiflung getrieben. Es muss ein Ende haben", sagte einer der Besetzer des Regierungsgebäudes. Die Rebellen forderten einen Waffenstillstand sowie die Freilassung des moslemischen Theologen Akram Judaschew. Der autokratisch regierende Präsident Islam Karimow begründet sein hartes Vorgehen mit dem Kampf gegen den aufstrebenden militanten Islamismus. Er ist ein Verbündeter der USA im von Präsident George W. Bush ausgerufenen Krieg gegen den Terror.
Einigen der ausgebrochenen Häftlinge wird derzeit der Prozess unter dem Vorwurf des religiösen Extremismus gemacht. Sie forderten Russlands Präsident Wladimir Putin auf, im Konflikt zu vermitteln. Andischan liegt im Ferghana-Tal, einer der ärmsten und unsichersten Moslem-Regionen in Zentralasien.
Bei dem mutmaßlichen Attentäter vor der israelischen Botschaft handelte es sich nach Polizeiangaben um einen Russen. Er habe lediglich eine Sprengstoffattrappe bei sich getragen, verlautete aus Polizeikreisen. Der Mann sei mit einer Uniform bekleidet vor der Botschaft erschienen. Die Sicherheitskräfte hätten ihn aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Als der Mann nicht reagierte, schossen die Sicherheitskräfte auf ihn und trafen ihn tödlich.
  • FTD.de, 13.05.2005
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