Bei Angriffen Unbekannter auf eine Islamisten-Kundgebung in Kairo sind am Mittwoch elf Menschen getötet worden. Mehr als 160 weitere wurden verletzt, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge attackierten mit Gewehren und Schlagstöcken bewaffnete Männer in den frühen Morgenstunden die Demonstranten, die in der Nähe des Verteidigungsministeriums gegen Ägyptens Militärherrschaft protestierten. Die Kontrahenten gingen auch mit Steinen aufeinander los. Das Militär schickte Soldaten in die Gegend, um die Kämpfe zu beenden. Diese ließen am Nachmittag nach.
Die neue Gewalt wirft einen Schatten auf die Spannungen vor der ersten Runde der Präsidentenwahl am 23. und 24. Mai. Viele der rund 600 Demonstranten waren Anhänger des ultrakonservativen Salafisten, Anwalts und Politikers Hazem Salah Abu Ismail, der im April von der Präsidentenwahl ausgeschlossen worden war. Anlass für das Ausschlussverfahren war ein Artikel in der "New York Times", der belegte, dass Ismails verstorbene Mutter am Ende ihres Lebens die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß. Ismails Kandidatur verstieß damit gegen die ägyptische Verfassung. Zwei andere Kandidaten aus dem Islamisten-Lager setzten am Mittwoch ihren Wahlkampf aus. Der Vertreter der Muslim-Bruderschaft, Mohamed Mursi, wollte aus Respekt vor den Toten zwei Tage lang keinen Wahlkampf betreiben. Abdel Moneim Abol Fotouh, ein führender Islamisten-Kandidat, unterbrach seine Kampagne auf unbestimmte Zeit, um seinen Protest gegen den Umgang der Staatsmacht mit den Aufständischen zum Ausdruck zu bringen.
In den vergangenen Tagen war es wiederholt zu Rangeleien in der Nähe des Verteidigungsministeriums gekommen, die Proteste blieben aber bisher weitgehend friedlich.
Am Mittwoch war zunächst von fünf Toten die Rede gewesen, die bei den Angriffen bewaffneter Anwohner ums Leben gekommen seien. Um wen es sich bei den Angreifern tatsächlich gehandelt hat, blieb unklar. Demonstranten haben Sicherheitskräften wiederholt vorgeworfen, Schlägertrupps dazu zu ermutigen oder sogar dafür zu bezahlen, dass sie friedliche Demonstrationen stören.
Nach Ausschluss von Hazem Salah Abu Ismail wurde dem regierenden Militärrat vorgeworfen, das Wahlergebnis im Vorfeld beeinflussen zu wollen. Ohnehin wächst die Kritik daran, wie das Militär den Übergang zu einer Zivilregierung gestaltet. Der Volksaufstand gipfelte im Februar 2011, als der damalige Präsidenten Husni Mubarak gestürzt wurde. Viele Ägypter fürchten, dass das Militär seinen Einfluss auch nach Amtsantritt eines neuen Präsidenten sichern will.