Leitartikel
Die Ereignisse im Fußballstadion von Port Said werfen Fragen auf nach etwaigen Hintermännern. Doch die Opposition macht es den Machthabern auch sehr leicht.
Viele Ägypter glauben fest daran, dass das herrschende Militär die Gewalt im Fußballstadion von Port Said geplant hat, um das Land ins Chaos zu stürzen und dann eine neue Diktatur errichten zu können. Für eine solche Verschwörung gibt es keine Beweise. Aber selbst wenn dem so sein sollte, trägt die Opposition dummerweise ihren Teil dazu bei, dass der mutmaßliche Plan aufgehen könnte.
Nach dem Massaker von Port Said randalierten die als Ultras bekannten Fußballhooligans in Kairo und griffen Sicherheitskräfte an. Damit diskreditierten die Ultras, die auch eine tragende Rolle bei allen Protesten gegen die Militärherrschaft gespielt haben, sich selbst und die mit ihnen verbündeten Gegner des Militärrats. Gewalt bietet den Machthabern von Kairo einen willkommenen Anlass, sich der lästigen Opposition zu entledigen und sich dem Volk als unentbehrliche Bewahrer von Ruhe und Ordnung darzustellen.
Ausschreitungen in Port Said
"Das ist Krieg und kein Fußball"
Noch immer haben die Revolutionäre keine gemeinsame Strategie. Die Ultras machen Randale, viele Oppositionsgruppen erklären sich solidarisch mit ihnen. Einige prügeln mit, andere versuchen in unkoordinierten Aktionen, sich zwischen die Fronten zu stellen und die Lage zu beruhigen.
Die Revolutionäre haben es nach wie vor nicht geschafft, dem Volk eine Alternative zur Militärherrschaft aufzuzeigen. Fast ein Jahr nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak sind die Hauptakteure der Revolution weiter zersplittert und führungslos. Ihre nahezu einzige Ausdrucksform ist immer noch die Besetzung des Tahrir-Platzes, wo sie mit Recht den sofortigen und vollständigen Rückzug der Militärs aus der Regierung fordern und ein Ende der Menschenrechtsverletzungen. Doch sie haben bisher nicht erkennen lassen, wie und insbesondere mit welchen Galionsfiguren sie den Übergang zur Demokratie angehen würden.
Für ihr Scheitern machen die Revolutionäre die Militärherrscher verantwortlich: Die Parlamentswahlen seien nicht fair gewesen. Die staatlichen Medien hetzten gegen sie. Zensur und Justizwillkür behinderten die Oppositionsarbeit. Das alles stimmt. Entscheidend waren jedoch die Fehler der Opposition selbst. Vor allem hätten die Jugendgruppen innerhalb eines Jahres eine schlagkräftige Partei gründen oder zumindest eine Führung wählen müssen.
Die wichtigsten Gruppen haben sich bewusst dagegen entschieden und sind stolz darauf, keine Anführer zu haben. Mit Facebook und Twitter lassen sich zwar Massen auch ohne jegliche Hierarchie mobilisieren und sogar ein Präsident stürzen. Aber um Verantwortung für den Aufbau einer Demokratie zu übernehmen, bedarf es einer Organisation mit einem Mindestmaß an Führung und einem Programm.
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