Das Parteiorgan "China Daily" zeigte sich am Mittwoch in einem Kommentar nervös. Angesichts des Eifers der Amerikaner, einen Bruch mit der Bush-Ära zu vollziehen, "fragen sich manche - oder befürchten, um präzise zu sein -, dass der neue Präsident die hart erkämpften Fortschritte in den bilateralen Beziehungen ignorieren werde".
China gehört zu den wenigen Ländern, in denen Bush dank seiner Bemühung um ein besseres Verhältnis einen positiven Eindruck hinterlassen hat. Obama ist für Peking bisher ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, die Berichterstattung über ihn war bis jetzt jedoch nicht negativ. Der Zeitungskommentar rief den Präsidenten nun dazu auf, den halbjährlichen Wirtschaftsdialog auf Ministerebene fortzusetzen. Obama habe sich dazu noch nicht geäußert, so das Blatt besorgt.
Aus dem Satz Obamas, frühere Generationen hätten "Kommunismus und Faschismus nicht nur mit Raketen und Panzern, sondern auch mit stabilen Bündnissen und bleibenden Überzeugungen niedergerungen" entfernte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua in der Übersetzung den "Kommunismus". Obamas Warnung, dass "diejenigen, die sich an die Macht krallen mittels Korruption, Täuschung und dem Unterdrücken von Dissens, wissen, dass sie auf der falschen Seite der Geschichte stehen", verschwand komplett. Die populären Websites Sina und Sohu folgten dieser Version, Konkurrent Netease strich nur den "Kommunismus".
Das Staatsfernsehen CCTV blendete bei der Live-Übertragung der Rede direkt nach "Faschismus und Kommunismus" hektisch zum Moderator. Ein ganz "normaler Programmbestandteil", hieß es dazu.