Baden-Württembergs Regierungschef Stefan Mappus (CDU), bisher ein erklärter Befürworter der Kernkraft, kündigte eine Überprüfung seiner Position an. "Wir können nicht weitermachen wie bisher, sondern müssen bereit sein, bisherige Standpunkte zu überdenken", sagte er. "Gerade weil ich für die Verlängerung der Laufzeiten eingetreten bin, sehe ich für mich eine ganz besondere Verpflichtung, mich darum zu kümmern, wie wir nach dem Unglück in Japan in Deutschland mit der Kernenergie umgehen."
Mappus muss am 27. März eine Landtagswahl bestehen. Das Land Baden-Württemberg ist seit Herbst Großaktionär beim Versorger EnBW, der nahe Heilbronn das AKW Neckarwestheim betreibt. Der 1976 in Betrieb gegangenen Block I sollte wegen der Verlängerung der Atomlaufzeiten länger am Netz bleiben. "Wenn es ein Moratorium gibt, dann kann Neckarwestheim I in den drei Monaten nicht weiterlaufen", sagte Mappus, der den Sinneswandel der Kanzlerin ausdrücklich unterstützte.
Merkel betonte erneut, die Ereignisse in Japan stellten Einschnitte für die ganze Welt dar und damit auch für Deutschland, selbst wenn ein Erdbeben von der Schwere wie in Japan hierzulande nicht wahrscheinlich sei. "Wir wissen wie sicher unsere Kraftwerke sind", sagte die Kanzlerin.
Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE will sich den Vorgaben der Bundesregierung fügen. Das Unternehmen betonte das "Primat der Politik" in dieser Frage. Eine Unternehmenssprecherin sagte der Nachrichtenagentur dapd, der Konzern gehe davon aus, dass er kurzfristig zu Gesprächen eingeladen werde, falls sich Merkels Koalition zu einem solchen Schritt entschließe.