Der Star ist die Mannschaft, sagt der Fußball-Volksmund, und das stimmt natürlich erst recht bei einer Fußballeuropameisterschaft. Insofern muss der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch nicht um den Glanz der Spiele in seinem Land fürchten. Die deutsche Nationalmannschaft als einer der Favoriten wird das Turnier wohl kaum boykottieren. Aber stellvertretend verpasst die deutsche Staatsführung dem Glanz der Veranstaltung zumindest im Vorfeld einen matteren Ton - und setzt sich löblicherweise an die Spitze der internationalen Kritiker.
Bundeskanzlerin Angela Merkel droht, die EM-Spiele, die in der Ukraine stattfinden, nicht zu besuchen, wenn der kranken Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko weiterhin eine vernünftige Behandlung verwehrt wird, etwa in einem deutschen Krankenhaus. Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck für ein deutliches Zeichen gesorgt, indem er eine Ukraine-Reise absagte.
Denn dass Janukowitsch rund ein Dutzend ehemaliger Gefolgsleute Timoschenkos - die zum Teil ebenfalls erkrankt sind - ins Gefängnis hat stecken lassen, verstärkt den Eindruck von Rachejustiz gegenüber seinen politischen Gegnern. Die Ukraine ist aber nicht irgendein Staat am Ende der Welt - sie gilt als möglicher EU-Beitrittskandidat. Es ist daher richtig, dass Deutschland hier ein deutliches Signal setzt.
Bei Absagen bleibt es zum Glück aber nicht: Innenminister Hans-Peter Friedrich will zur EM in die Ukraine reisen, sich jedoch mit Timoschenko zum Gespräch treffen, sollte die sich noch in Haft befinden.
Als Sportminister tut er zudem gut daran, die deutsche Mannschaft zu besuchen und den Kontakt zu ukrainischen Regierungsvertretern nicht abreißen zu lassen. Aber auf einer Arbeitsebene eine Stufe unterhalb der Staats- und Regierungschefs.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundesregierung sich nicht nur im Umgang mit der Ukraine so klar positioniert - sondern auch im Verhältnis zu anderen Autokratien.