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Merken   Drucken   06.11.2002, 11:08 Schriftgröße: AAA

Uno-Konvention gegen das Klonen geplatzt  

Obwohl eine Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen (Uno) das Klonen von Menschen verbieten will, ist eine Konvention gegen das Schaffen genetisch identischer Menschen vorerst wohl geplatzt. Damit können Wissenschaftler in mehreren Ländern ohne Einschränkung durch internationale Regeln weiter mit solchen menschlichen Embryos experimentieren.
von Cordula Tutt, New York

Aus Verhandlungskreisen in New York hieß es, eine Konvention gegen das Klonen von Menschen scheitere bis auf weiteres, weil sich eine von Deutschland und Frankreich geführte Gruppe nicht mit einer von den USA vertretenen Ländergruppe einigen könne. "Die USA vertreten eine Maximalposition, die wir moralisch nachvollziehen können", hieß es in deutschen Regierungskreisen. "Aber wenn man alles fordert, bekommt man am Ende wohl nichts."

Am Donnerstag sollte eine Expertenkommission Grundsätze beschließen, die Teil einer Anti-Klon-Konvention der Uno werden sollten. Weil sich die Gegner des menschlichen Klonens nicht auf eine Linie einigen können, wird ein neuer Anlauf für solche Regeln nun wohl um ein Jahr vertagt. "Damit vermeiden wir eine Kampfabstimmung, mit der nur tiefe Gräben aufgerissen worden wären", sagten Vertreter der Gruppe um Deutschland und Frankreich.

Angekündigte Reproduktion

Allerdings arbeitet die Zeit gegen eine Anti-Klon-Konvention. Der US-Mediziner Panos Zavos und der italienische Gynäkologe Severino Antinori haben angekündigt, unfruchtbaren Paaren zu geklontem Nachwuchs verhelfen zu wollen.

Die USA und katholisch geprägte Länder wie Spanien und lateinamerikanische Staaten wollen nicht nur das reproduktive Klonen verbieten, wie es der Vorschlag Frankreichs und Deutschlands zunächst vorsieht. Nach dem Willen dieser Gruppe soll zugleich auch das so genannte therapeutische Klonen geächtet werden. Die Technik ist die gleiche: Eine Eizelle wird mit einer Zelle aus dem Körper eines Erwachsenen verschmolzen. Ziel ist hier aber, Stammzellen zu gewinnen, die vielleicht gegen Leiden wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs genutzt werden können.

In Deutschland sind beide Arten des menschlichen Klonens verboten. Die Bundesregierung habe aber lieber erst das reproduktive Klonen verbieten wollen, als gar keine Vereinbarung zu bekommen, hieß es. In Europa erlaubt Großbritannien bereits das therapeutische Klonen. Auch Forscher in Israel oder Singapur können begrenzt experimentieren.

Sollten Grundzüge für eine Uno-Konvention gegen das Klonen von Menschen erst in einem Jahr festgelegt werden, träte eine Konvention erst viel später in Kraft oder wird unwahrscheinlich. Zunächst muss eine ausreichende Zahl von Ländern das Regelwerk in nationales Recht umsetzen. Diplomaten gehen davon aus, dass dies nochmals zwei Jahre dauern könnte.

  • FTD, 06.11.2002
    © 2002 Financial Times Deutschland
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