Vor dem Hauptquartier der Demokratischen Partei in Hannibal im US-Bundesstaat Missouri steht ein Parteiangestellter und raucht. Er zeigt auf das Hauptquartier der Republikaner auf der anderen Straßenseite und sagt: "Man könnte eine Haubitze auf sie richten."
Könnte man, aber was sollte es bringen, denn treffen würde man ohnehin kaum jemanden. Die zufällig ausgewählte Kleinstadt am Mississippi ist ein schönes Beispiel dafür, was landesweit derzeit in den USA passiert.
Eine der Grundregeln des Politikgeschäfts besagt, dass man Stimmen nur dann gewinnen kann, wenn man vor Ort ist. Wenn diese Regel stimmt, ist die Präsidentschaftswahl 2008 seit Wochen entschieden.
Ich betrete das Büro der Republikaner zeitgleich mit Mary Lou Callicott, der Parteivorsitzenden für den Bezirk Marion. Sie sieht aus wie das angesehene Gemeindemitglied, das sie auch ist - anständiges Kostüm und Republikaner-Brosche. Die Dinge laufen gut, sagt sie. Sollten sie auch, schließlich gewann George W. Bush hier 2004 mit 62 Prozent der Stimmen.
"Ich war vor zwei Tagen in St. Louis und holte 75 McCain-Schilder, die man in den Vorgarten stellt. Von denen sind noch drei oder vier übrig", sagt Callicott. "Die Leute haben große Angst vor Obama. Er ist mit diesen Terroristen befreundet."
"Bekommen Sie mit, was in diesem Wahlkampf passiert?", frage ich. "Oh, wir sprechen miteinander", erwidert Callicott. "Eine Menge Leute kommt hier herein und sagt: 'Ich traue ihm nicht, er ist unpatriotisch.'"
Auf die Frage, ob sie eine Vorstellung davon habe, was die Demokraten auf der anderen Straßenseite treiben, antwortet sie: "Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass die Leute sehr viel Angst haben."
Ich hatte Glück, Callicott überhaupt zu erwischen. Das Büro war fast den gesamten nächsten Tag geschlossen, potenzielle Unterstützer rüttelten vergeblich an der Tür. Die Lichter waren zwar an, aber es war niemand zu Hause.
Kaum Zeit für den politischen Gegner
Auf der anderen Straßenseite schenkt man dem politischen Gegner kaum Beachtung - dafür ist man viel zu beschäftigt. Der junge Freiwillige Sean Sanders, der sich extra für den Wahlkampf ein Semester frei genommen hat, gibt von früh morgens bis fast um Mitternacht Zahlen ein. Im Hinterzimmer - das bei den Republikanern gegenüber leer steht - hocken Freiwilligenteams an den Telefonen. Ihre Begeisterung ist spürbar.
Über den ganzen Bundesstaat Missouri hinweg finden sich ähnliche Büros. Missouri ist wichtig, Missouri hat seit 1904 in 26 Präsidentschaftswahlen 25-mal für den späteren Sieger gestimmt. Die Freiwilligen sammeln Daten, registrieren Anhänger, treiben Unentschlossene zur Wahl. Und ihre Vorgartenschilder sind billiger.