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Merken   Drucken   08.03.2011, 10:44 Schriftgröße: AAA

US-Bundeshaushalt: Amerikas schlummernde Staatskrise

Auf den USA lastet ein gigantischer Schuldenberg. Trotzdem wird die Politik wohl erst 2013 beginnen, ernsthaft den Haushalt zu sanieren. Investoren fürchten, dass bis dahin ähnliche Turbulenzen wie derzeit im Euro-Raum auftreten.
© Bild: 2011 FTD-Grafik/Lisa Bucher
Auf den USA lastet ein gigantischer Schuldenberg. Trotzdem wird die Politik wohl erst 2013 beginnen, ernsthaft den Haushalt zu sanieren. Investoren fürchten, dass bis dahin ähnliche Turbulenzen wie derzeit im Euro-Raum auftreten. von André Kühnlenz  Frankfurt
Die Vorhersagen für die US-Regierung sind düster: Auf gut das Dreifache der Wirtschaftsleistung werden ihre Schulden in 40 Jahren steigen, wenn sie nicht schon bald gegensteuert, sagen die Budgetexperten des Kongresses voraus. Doch noch immer ist nicht absehbar, wann sich die regierenden Demokraten und die Republikaner, die das Repräsentantenhaus beherrschen, auf ernsthafte Schritte zur Haushaltssanierung einigen.
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Dabei wächst von Woche zu Woche die Gefahr, dass Investoren sich wie jüngst in Griechenland abrupt von der US-Regierung abwenden, ihr keinen Kredit mehr gewähren oder nur noch zu horrenden Zinsen. Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie schnell die Marktstimmung drehen kann, bekamen Anleger in den vergangenen vier Monaten: Um fast einen Prozentpunkt schoss die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen nach oben - auch wenn die Zinsen mit gut 3,5 Prozent noch immer historisch niedrig sind.
Die Folgen der Finanz- und Konjunkturkrise in den USA sind alarmierend: Während die Wirtschaftsleistung seit 2000 um die Hälfte gestiegen ist, haben die Regierungsschulden um das Anderthalbfache zugelegt. "Werden die strukturellen Haushaltsprobleme nicht gelöst, droht früher oder später eine Anleihekrise", warnt Aneta Markowska, Volkswirtin bei der Société Générale in New York.
Streit über Anhebung der Schuldengrenze
Als Folge würden einbrechende Anleihekurse und somit steigende Zinsen die Haushaltsprobleme verschärfen: Es drohte eine Schuldenlawine. Auch das gesamte Finanzsystem dürfte leiden, wenn der weltgrößte Anleihemarkt in Turbulenzen stürzt. Bei der Bondkrise 1994 etwa, als die US-Notenbank Federal Reserve aus Sorge um die Inflation die Zinsen mehrfach anhob und die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in der Spitze auf über acht Prozent kletterten, flüchteten Anleger auch aus britischen und deutschen Staatsanleihen. Am Aktienmarkt wuchs die Volatilität, Geldmarktfonds erlitten Verluste.
Bruttoverschuldung der Zentral- und Regionalregierungen ...   Bruttoverschuldung der Zentral- und Regionalregierungen ausgewählter Länder in % des BIPs
Aktuell streiten US-Politiker vor allem über eine Anhebung der Schuldengrenze. Laut Gesetz darf der Finanzminister nicht mehr als 14.300 Mrd. Dollar leihen. Wird dieses Limit demnächst gerissen, hat die Regierung die Schulden aber noch nicht wirklich auf rund 14.000 Mrd. Dollar geschraubt: Gut 4600 Mrd. Dollar der Staatsanleihen hält sie praktisch selbst, da Gesundheits- und Sozialversicherungsfonds Ersparnisse in den Papieren anlegen.
Abgesehen von diesen innerstaatlichen Darlehen hatte Washington Ende Januar Anleihen über 9500 Mrd. Dollar ausstehen. Sie machen 64 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. In den Jahren vor 2007 waren es nur 36 Prozent. Noch dramatischer wirkt der Anstieg im internationalen Vergleich der Industriestaatenorganisation OECD, wobei sie auch die Bundesstaaten dazu zählt. Demnach lag der US-Staat 2010 mit 93 Prozent des BIPs gleichauf mit Ländern wie Portugal. Doch während die Europäer mit drastischen Sparpaketen um das Vertrauen der Märkte kämpfen, liegen in Washington alle Kürzungspläne noch in den Schubladen.

Teil 2: Ratingagenturen mahnen rasche Budgetkürzungen an

  • FTD.de, 08.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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