FTD.de » Politik » International » US-Gericht erlaubt Apartheidklage gegen Konzerne
Merken   Drucken   15.10.2007, 20:03 Schriftgröße: AAA

US-Gericht erlaubt Apartheidklage gegen Konzerne

Dossier Opfer des früheren südafrikanischen Apartheidregimes können ihre Entschädigungsklagen jetzt vor US-Gerichten vorantreiben. Der Klägeranwalt Michael Hausfeld begrüßte einen entsprechenden Beschluss eines New Yorker Berufungsgerichts.
von Michael Gassmann (New York)

"Die Entscheidung ist ein Sieg in einem langen Kampf von Opfern der Komplizenschaft von Konzernen mit dem illegitimen Apartheidregime", sagte auch die Gruppe Khulumani, die nach eigenen Angaben 32.700 Opfer vertritt.

Citigroup-Zentrale in New York: Neben der US-Bank wären auch ...   Citigroup-Zentrale in New York: Neben der US-Bank wären auch deutsche Unternehmen von Klagen betroffen

Zu den Beklagten zählen rund 50 Konzerne, die in Südafrika unter dem bis 1994 bestehenden Regime der Rassentrennung Geschäfte machten. Darunter sind Citigroup , Credit Suisse , Deutsche Bank , Dresdner Bank , Ford , General Motors , Daimler , Rheinmetall , BP , Shell  und Exxon Mobil .

Der Fall hat grundsätzliche Bedeutung für die Durchsetzung von Menschenrechten auf dem Gerichtsweg. Wenn das Urteil durch die Instanzen Bestand hat, müssen Organisationen, die durch von der Zusammenarbeit mit Menschenrechtsverletzern profitieren, Schadensersatzforderungen fürchten. "Das nächste große Thema könnte Terrorismus sein", sagte Hausfeld, einer der Vertreter der Kläger. Seine Kanzlei Cohen, Milstein, Hausfeld & Toll erwäge, gegen Banken und Unternehmen vorzugehen, die mit bekannten Terrororganisationen zusammenarbeiteten, sagte er der FTD. Das Apartheidurteil habe die Verantwortung von "Sekundärtätern" klargemacht. "Das sind beispielsweise Konzerne, die nicht selbst den Abzug drücken, aber die Munition oder Unterstützung liefern und wissen, was damit geschehen wird."

Von größter Bedeutung für den Prozesserfolg sei die Verurteilung des Apartheidsystems als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gewesen, sagte der Jurist. Das Berufungsgericht entschied nicht in der Sache. Es ging um die Frage, ob der Fall nach dem Alien Tort Claims Act behandelt werden darf, einem 200 Jahre alten Gesetz, nach dem Klagen von Nichtamerikanern gegen die Verletzung internationalen Rechts in den USA möglich sind. Das Gericht bejahte dies.

Die meisten der beklagten Konzerne äußerten sich zunächst nicht. Eine Sprecherin der Citigroup sagte, das Unternehmen erwäge Alternativen bei seinem künftigen juristischen Vorgehen. Der Fall wird nun zunächst formal an den früheren Bezirksrichter oder ein anderes Bezirksgericht in Manhattan zurückverwiesen. Es kann jedoch auf Antrag der Kläger dem Supreme Court vorgelegt werden. Das höchste US-Gericht würde in diesem Fall zunächst entscheiden, ob es sich damit befassen will. "Meine Einschätzung ist, dass es an den Supreme Court geht", sagte Hausfeld.

  • Aus der FTD vom 16.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler