Die mit Milliardenverlusten kämpfenden US- Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben bis Ende 2012 unbegrenzten Kredit beim amerikanischen Steuerzahler. Die bisher gültigen Grenzen für mögliche staatliche Finanzspritzen von jeweils 200 Mrd. $ hob Washingten nach Angaben des US-Finanzministeriums an den Weihnachtsfeiertagen auf. Damit solle dem Markt signalisiert werden, dass Washington fest hinter den staatlich kontrollierten Instituten stehe. Die Regelung gelte für die kommenden drei Jahre.
Die zwei Firmen hätten den bisherigen Kreditrahmen von zusammen 400 Mrd. $ allerdings bei weitem nicht ausgeschöpft, teilte das Ministerium mit. Demnach flossen bislang 111 Mrd. $ an staatlichen Hilfen an die Institute, die außerordentlich wichtig für die Stabilität des US-Immobilienmarktes sind. Davon entfallen dem Finanzministerium zufolge 51 Mrd. $ auf Freddie Mac und 60 Mrd. $ auf Fannie Mae.
Die beiden Finanzierer stehen hinter etwa jedem zweiten Immobilienkredit in den USA. Die Verluste entstehen dadurch, dass noch immer viele Amerikaner ihre Darlehen nicht abzahlen können. Um den völligen Kollaps des Hypothekenmarkts zu verhindern, hatte die US-Regierung im September 2008 das Steuer bei Fannie Mae und Freddie Mac übernommen.
Fannie Mae verbuchte allein im dritten Quartal 2009 einen Verlust von 19,8 Mrd. $ nach einem Minus von fast 30 Mrd. im Vorjahreszeitraum. Das kleinere Schwesterinstitut Freddie Mac hatte für die Zeit zwischen Anfang Juli und Ende September ein Minus von 6,3 Mrd. $ in den Büchern stehen, nach 25,3 Mrd. ein Jahr zuvor. Anders als Marktführer Fannie Mae brauchte Freddie Mac allerdings unmittelbar nach Bekanntwerden der jüngsten Verluste keine neuen Geldspritzen, weil das Eigenkapital gestärkt werden konnte.
Der Absturz des US-Immobilienmarkts war Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Markt erholt sich nur langsam. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit in den USA können noch immer viele Menschen ihre Hypothekenraten nicht bezahlen.
Die hohe Arbeitslosigkeit, Zwangsvollstreckungen und eine Übersättigung des Immobilienmarktes dürften eine Erholung noch eine Weile behindern und die Hauspreise weiter drücken, hatte Freddie Mac die Lage erläutert. Deshalb sei der Konzern weiter von Staatshilfen abhängig. Eine gestiegene Eigenkapitalquote durch höherwertige Anleihen ersparte es Freddie Mac aber ein zweites Quartal in Folge, auf Gelder der Regierung zurückgreifen zu müssen, um eine Insolvenz zu verhindern. Freddie Mac erhöhte wegen höherer Ausfälle die Rückstellungen für Kreditverluste auf 7,6 Mrd. $ - ein Plus von 46 Prozent zum Vorquartal.
Die US-Regierung ist bemüht, weitere Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten zu verhindern. Die Verluste bei beiden Konzernen stellen die amerikanische Politik vor ein Dilemma: Einerseits sollen nach Möglichkeit nicht noch mehr Steuergelder ausgegeben werden, andererseits zählt die Politik beim Kampf gegen die Immobilienkrise auf die beiden Unternehmen.