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"Willkommen, Herr Präsident", empfing Papst Benedikt XVI. seinen besonderen Gast. "Vielen Dank, es ist eine große Ehre, vielen Dank", erwiderte Barack Obama . Der US-Präsident gab Benedikt die Hand, verneigte sich und lächelte charmant. Und doch wirkte Obama, eben noch der "Superstar" auf dem G8-Gipfel in L'Aquila, etwas verloren inmitten der dicken Mauern des Kirchenstaates, der seine eigenen Regeln hat.
Nach dem Treffen bekundete Vatikansprecher Federico Lombardi: Der Papst sei "extrem zufrieden und glücklich". Vor kurzem hatten die Zeichen noch auf Sturm gestanden. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt hatte Obama eine Verordnung aufgehoben, wonach Finanzhilfen für internationale Organisationen untersagt waren, die Abtreibungen unterstützen oder ausführen - und das als erste Amtshandlung. Der Vatikan hatte ihn daraufhin scharf kritisiert. Ähnlich erging es dem mächtigsten Mann der Welt, als er eine Lockerung des Verbotes der Stammzellforschung ankündigte.
Zuletzt beklagte Benedikt in seiner Sozialenzyklika "Caritas In Veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) die "verbreitete tragische Plage der Abtreibung" und die Manipulation des Lebens durch Biotechnologien etwa in der Embryonenforschung und beim Klonen. Obama kann es selbst nachlesen: Als Geschenk erhielt er eine in weißem Leder gebundene signierte Ausgabe der Enzyklika und eine weitere Abhandlung. Da habe er etwas zu lesen auf dem Flug nach Ghana bedankte sich Obama.
Bei seinen Kandidaten für den Posten des US-Botschafters am Heiligen Stuhl musste der erste schwarze US-Präsident Medienberichten zufolge ebenfalls einige Rückschläge hinnehmen. Caroline Kennedy, die Tochter des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, wurde es jedenfalls nicht. Die 51-jährige Katholikin tritt für das Recht auf Abtreibung und Stammzellforschung ein.
Pünktlich zum kleinen Gipfel im Vatikan fand der einflussreiche Schweitzer Kurienkardinal Georges Cottier dann doch besänftigende Worte. Auch Obama wolle, dass die Zahl der Frauen, die abtreiben, sinkt, sagte er der Monatszeitschrift "30 Giorni". "Seine (Obamas) Worte gehen in die Richtung, das Übel zu verringern. (...) Das ist natürlich nur ein Minimum - aber ein wertvolles Minimum."
Tatsächlich ziehen beide Seiten oft am selben Strang. "Wir wissen zum Beispiel, dass der Papst sehr aufmerksam verfolgt hat, wie Präsident Obama den Dialog mit der muslimischen Welt lancierte", sagte US-Präsidentensprecher Robert Gibbs vor dem Treffen in Rom. Und es gibt weitere Berührungspunkte. "Der Vatikan sieht in Obama einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die Armut, gegen wirtschaftliche Ungleichheiten und für eine Strategie der internationalen Solidarität", schreibt ein Kirchenkenner.
"Vor allem aber hofft der Vatikan, dass der neue US-Präsident die Fähigkeit und die Kraft hat, einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu erreichen, auf der Basis einer Zweistaatenlösung", heißt es. Obama könne ein wertvoller Vermittler werden, weil er Wurzeln in Afrika hat. "Ich bete für Sie", gab ihm der Papst mit auf den Weg. Obama ist selbst bekennender Christ. In Washington besuchte er Gottesdienste von Baptisten, Presbyterianer und anderen Freikirchen. Doch fürchtet er nach seinen eigenen Worten, dass die "normalen Gemeindemitglieder" leiden würden, wenn er sich für eine Kirche entscheiden würde - und sich dann alles um ihn dreht.