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Merken   Drucken   07.11.2012, 20:19 Schriftgröße: AAA

US-Wahlen 2012: Warum Florida so lange braucht

Aus allen US-Bundesstaaten liegen die Wahlergebnisse bereits vor, Barack Obama steht längst als Sieger fest. Nur in Florida gibt es mal wieder Probleme. Zur Stunde wird immer noch ausgezählt. Was ist los im Sonnenstaat? Einblicke von vor Ort.
© Bild: 2012 Reuters/Andrew Innerarity
Aus allen US-Bundesstaaten liegen die Wahlergebnisse bereits vor, Barack Obama steht längst als Sieger fest. Nur in Florida gibt es mal wieder Probleme. Zur Stunde wird immer noch ausgezählt. Was ist los im Sonnenstaat? Einblicke von vor Ort.
von Miami

Die Frau im geblümten Kleid sieht verzweifelt aus. Es sei wirklich keine Absicht, dass es so lange dauere, sagt eine der Wahlleiterinnen in Miami Dade County dem Sender Fox News, aber man sei eben gerade dabei, der Papierberge Herr zu werden. Im Hintergrund ist eine Handvoll Menschen vor grauen, ratternden Maschinen zu sehen, die Seite für Seite mit Papier gefüttert werden.

Ballot Sheets heißen die Formulare, die jeder ausfüllen muss, der bei den US-Präsidentschaftswahlen mitmacht. Neben der Entscheidung, wer der neue Mann im Weißen Haus werden soll, mussten die Menschen in Florida auch über zahlreiche weitere Fragen abstimmen, die sich in verschiedenen Sprachen gedruckt auf 8 Seiten erstreckten.

Ein Ballot Sheet, das jeder ausfüllen muss, der bei den ...   Ein Ballot Sheet, das jeder ausfüllen muss, der bei den US-Präsidentschaftswahlen mitmachte

Mit diesen Formularen haben die Wahllokale in Miami nun zu kämpfen. Nicht nur die regulär abgegebenen Stimmen müssten Seite für Seite für Seite in die Maschinen eingelesen werden, heißt es von den Verantwortlichen. Da zu den regulär abgegebenen Stimmen noch in letzter Minute 20.000 Formulare von Einwohnern aus Florida abgegeben worden seien, die in anderen Staaten gewählt haben, mache das mal eben schlappe 160.000 Seiten mehr auf einen Schlag.

Dazu kommt: Zwar schlossen die Wahllokale in Florida offiziell um 19 Uhr. Das bedeutet jedoch nicht, dass um 19 Uhr auch alle Wähler gewählt hatten - im Gegenteil. Bis zu acht Stunden standen manche Menschen bei sengender Sonne an, um ihre Stimme abzugeben. Der Wahlvorgang dauert so lange, weil die Formulare so lang sind - und weil es für jeden Wähler individuell ausgedruckt werden muss. Das allein dauert 70 Sekunden, wegen der vielen Seiten. Zudem gab es in den Wahllokalen nur wenige Drucker - in Palmetto Bay und im Norden von Miami waren es beispielsweise nur zwei.

Deshalb galt am Wahltag die Regelung, dass alle, die bis 19 Uhr in der Schlange standen, auch noch ihre Stimme abgeben durften. So warteten die Menschen an manchen Orten in Miami noch bis tief in die Nacht. Da war Obama längst wiedergewählt. Nicht auszudenken, wenn Florida bei der Wahl wirklich die Schlüsselrolle zugekommen wäre, die viele dem Sonnenstaat zugedacht hatten. 29 Wahlmänner waren in dem Swing State schließlich zu gewinnen. Verschwörungstheorien hätten die Runde gemacht. Das blamable Chaos bei der Wahl von 2000, als George W. Bush mit großer Verzögerung und hauchdünnem Vorsprung vor Al Gore in Florida siegte und so Präsident wurde, ist noch in übler Erinnerung.

Das Thema lange Schlangen vor Wahllokalen beschäftigte Miami 2012 nicht nur am Wahltag, sondern schon Wochen vorher: Der republikanische Gouverneur Rick Scott hatte die Tage der so genannten Early Votes von 14 auf acht verkürzt. Um Chaos und lange Schlangen am Wahltag zu vermeiden, haben US-Bürger im ganzen Land die Möglichkeit, ihre Stimme schon deutlich vor dem eigentlichen Wahltermin abzugeben.

Besonders Arme und Nicht-Weiße machen davon Gebrauch. Mit einem Wort: Obama-Wähler. Die sollten mit den neuen Regelungen von der Stimmabgabe abgehalten werden, wütete nicht nur der US-Sender MSNBC. "Eine Schande für die Demokratie!" Da sich dieselbe Anzahl von Menschen nun an weniger Tagen und an weniger Wahllokalen einfinden musste - denn auch die reduzierte Gouverneur Scott - schwoll die Länge der Schlangen an vielen Orten auf hunderte Meter an.

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Und unter den Demokraten der Zorn - und die Bereitschaft, sich dem zu widersetzen. Wahllokale wurden kurzerhand zu Partylocations umfunktioniert, Shuttleservices organisiert, Campingstühle und Grillgut herbeigeschleppt. Dazu gab es an vielen Orten Musik. Helfer verteilten Wasser und gaben immer wieder die Durchhalteparolen aus: "Don't leave the line, don't leave the line".

"Diese ganze Aktion von Scott hatte letztendlich den gegenteiligen Effekt", sagt Willie Williams, einer der Freiwilligen aus Obamas Wahlhelferteam in Miami. "Viele haben sich gedacht: Euch werden wir es zeigen." Ob sich der Präsident wirklich in Florida durchgesetzt hat, ist zur Stunde aber noch offen. Die Wahlhelfer im Sonnenstaat zählen noch. Obama führt mit 49,86 Prozent hauchdünn vor Romney (49,29 Prozent).

  • FTD.de, 07.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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