Statt bei seinem Deutschlandbesuch verwundete US-
Soldaten zu besuchen, habe sich der schwarze Senator "an seine Planung gehalten und internationale Spitzenpolitiker und kriecherische Deutsche getroffen", sagte Tucker Bounds, Sprecher des republikanischen Bewerbers John McCain, am Samstag dem US-
Magazin "The Nation". Die abgesagte Visite im amerikanischen Militärkrankenhaus Landstuhl und auf dem US-Militärflugplatz Ramstein seien Zeichen für Obamas mangelnde Erfahrung und Urteilsvermögen.
Schon seit Monaten warnen US-Kommentatoren, dass der Wahlkampf an irgendeinem Punkt hässlich wird. Jetzt scheint es soweit. Erst vor wenigen Tagen bezichtigte McCain seinen Konkurrenten "lieber einen Krieg zu verlieren als einen Wahlkampf". Kritische amerikanische Medien sahen darin eine Unterstellung des Hochverrats. Dabei musste McCain selbst unter der brutalen Wahlkampf-Maschinerie der Republikaner leiden: Als er vor acht Jahren in der Kandidatenkür gegen George W. Bush antrat, schwirrten plötzlich Gerüchte umher, er sei ein Freund von Seitensprüngen und habe ein uneheliches Kind.
Viel Lob von US-Medien
US-Medien bewerten den Ausflug Obamas zu den Krisenherden der Welt und nach Europa in der Mehrheit höchst wohlwollend. Die Reise sei "reine Magie" gewesen, urteilte MNSBC-Kommentator Chris Matthews. "Nach jedem Maßstab, den man anlegen mag, war Obamas Reise ein klarer Erfolg", urteilte am Sonntag die "Washington Post". Aber dennoch, fragt das Blatt: Hat die Reise Zweifel ausgeräumt, ob der 46-Jährige wirklich einen guten Oberkommandierenden abgibt?
Denn viele Amerikaner sind sich trotz der beeindruckenden Bilder nicht sicher, ob Obama wirklich der richtige Mann für das Weiße Haus ist. Nach dem von der webseite realclearpolitics.com am Sonntag ermittelten Durchschnitt liegt der schwarze Senator gerade einmal 4,7 Punkte vor seinem republikanischen Herausforderer.
Im McCain-Lager macht sich dennoch Nervosität breit. "Seien wir ehrlich, McCain hat die Woche schwer verloren", sagte der frühere politische Chefberater des Republikaners der "Washington Post", John Weaver. Noch immer liege der 71-Jährige dichtauf zu seinem Herausforderer, "dank seines Charakters, seiner Biografie, dank seiner Auftritte in früheren Wahlkämpfen". Aber eine weitere Woche wie diese, ist sich Weaver sicher, "kann er sich nicht leisten".