| Gideon Rachman ist FT-Kolumnist. |
Die bedeutendste politische Nachricht in Amerika in diesem Jahr hatte nichts mit Politik zu tun: Es war ein Artikel in der "New York Times", dem zufolge Weiße weniger als die Hälfte aller Geburten in den USA ausmachen. Will man die Angst und Wut vieler republikanischer Wähler gegen Barack Obama verstehen, ist ein Teil davon dem Gefühl zuzuschreiben, dass der amtierende Präsident für "das andere Amerika" steht - die Nichtweißen, die irgendwann die Mehrheit im Land stellen werden.
Der Demografiewandel Amerikas und die einhergehende Politik stellen ein strategisches Dilemma für die Republikaner dar. Nach Ansicht eines führenden Parteistrategen geht es bei der Präsidentschaftswahl 2012 bereits um den Kampf zwischen Wirtschaft und Demografie. Die schwache Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit sind für die Republikaner von Vorteil. Doch die demografische Entwicklung hilft den Demokraten. Die wachsende Zahl hispanoamerikanischer Wähler bedeutet, dass drei Bundesstaaten, die George W. Bush noch bei der Wahl 2004 gewonnen hat - Nevada, Colorado und New Mexico -, inzwischen zu Obama tendieren.
Kalifornien, bevölkerungsreichster Bundesstaat und Heimat von Richard Nixon und Ronald Reagan, wählte bei allen Präsidentschaftswahlen zwischen 1968 und 1988 Republikaner. Doch seit 1992 siegen in Kalifornien die Demokraten, und Obama liegt dort ungefährdet in Führung. Viele Beobachter schreiben den Wechsel bei der Gefolgschaft den immer schärfer werdenden Angriffen der Republikaner gegen illegale Einwanderung zu.
Jüngste Umfragen machen deutlich, wie schlecht Mitt Romney bei den Hispanos abschneidet. Eine gemeinsame Umfrage des Fernsehsenders NBC und der Zeitung "Wall Street Journal" vergangene Woche ergab, dass Obama bei Hispanos mit 63 Prozent zu 28 Prozent in Führung liegt. Das Romney-Lager spricht hoffnungsfroh davon, bis zum Wahltag seinen Anteil auf 38 Prozent zu steigern - die Frage ist nur, wie.
Gerüchte hatten die Runde gemacht, nach denen Romney möglicherweise Senator Marco Rubio aus Florida, einen Amerikaner kubanischer Herkunft, zu seinem Vize küren würde. Doch dann entschied er sich für den Kongressabgeordneten Paul Ryan - und den Umfragen nach zu schließen hat diese Entscheidung Romney für hispanoamerikanische Wähler noch unattraktiver gemacht.
Der Parteitag der Republikaner in Tampa wird voraussichtlich ein Parteiprogramm beschließen, das bei Kernthemen der hispanoamerikanischen Wähler - wie illegale Einwanderung - eine harte Linie befürwortet. Es wird die Errichtung eines doppelten Grenzzauns an der Grenze zu Mexiko fordern sowie die Einführung des elektronischen Systems E-Verify, das alle Arbeitgeber verpflichtet, den legalen Status neu eingestellter Mitarbeiter zu bestätigen. Selbst die Mehrheit der Hispanos, die legal in den USA leben, neigt dazu, Maßnahmen abzulehnen, die auf Illegale abzielen oder ihnen mit Ausweisung drohen.
Während der Vorwahlen sagte Romney, er befürworte die "Selbstausweisung" - will heißen, Arbeitsgesetze, die so streng sind, dass es illegalen Einwanderern unmöglich ist, Arbeit zu finden. Und sie sich zur Rückkehr nach Hause gezwungen sehen. Ein republikanischer Stratege sagt dazu seufzend: "Es ist schwierig, Menschen dazu zu bringen, für einen zu stimmen, wenn sie das Gefühl haben, man wolle sie nicht im Land haben." Mit Beginn des Parteitags hat Romney in vielen Umfragen mit Obama gleichgezogen. Seine Chancen auf einen Wahlsieg stehen gut. Schafft er es aber nicht, schwinden für die Republikaner mit jeder Wahl die Chancen weiter, das Weiße Haus wieder zu übernehmen.
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Gegenwärtig sind 63 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Weiße. Doch um das Jahr 2040 werden die USA wohl mehrheitlich aus Minderheiten bestehen. Hispanos stellen zwar derzeit nur 16 Prozent, aber 26 Prozent der 2011 in den USA geborenen Säuglinge stammten aus hispanoamerikanischen Familien. Die Republikaner laufen Gefahr, sich in einem Teufelskreis zu verfangen. Da so viele Wähler bei den Vorwahlen ältere "Anglos" sind, denen der Demografiewandel in den USA missfällt, sind die Kandidaten für die Nominierung der Republikaner im Grunde gezwungen, für ein hartes Vorgehen gegen Einwanderer einzutreten. Diese Haltung ist aber ein Minuspunkt bei den Hispanos.
Republikaner trösten sich damit, dass sich die Gefolgschaft der hispanoamerikanischen Wähler mit der Zeit ändern dürfte. Viele von ihnen vertreten gesellschaftlich konservative Ansichten, die gut zur Republikanischen Partei passen könnten. Ted Cruz, Kandidat der Partei für den US-Senat in Texas diesen November, ist sowohl Hispano als auch Liebling der Tea-Party-Bewegung. Kandidaten wie Cruz und Rubio machen Hoffnung, dass eine Republikanische Partei entsteht, die für hispanoamerikanische Wähler attraktiver wird.
Die Unfähigkeit, Wählerstimmen ethnischer Minderheiten - und insbesondere der von Hispanos - anzulocken, ist ein großer Nachteil der Republikaner bei dieser Wahl, den das Gespann Romney/Ryan noch umkehren könnte. Bei künftigen Wahlen aber könnte sie fatale Folgen haben. Romney steht ein harter Kampf in den kommenden Monaten bevor. Spätere Kandidaten der Republikaner könnten dennoch zu dem Schluss kommen, er habe es leicht gehabt.
Es sind nicht die Minderheiten, die den Erfolg der Republikaner gefährden, sonder es ist der Rassismus und Chauvinismus der Republikanischen Partei, welche diese für einen immer größer werdenden Teil der US-Bevölkerung unwählbar macht!
Dies wird an der Haltung dieser Partei zu den sog. „Hispanics“ besonders deutlich: Entweder muss man bei den Republikanern und ihren Wählern eine massenhaftes Auftreten einer krankhafte Farbwahrnehmungsstörung annehmen (unwahrscheinlich) oder einen ausgeprägten Rassen- und Kulturchauvinismus annehmen (wahrscheinlich), wenn man Menschen spanischer Abkunft als „Nicht-Weiße“ betrachtet.
Die Republikaner sind die politische Sickergrube jener US-Amerikanern, die sich selbst als WASP (White Anglo-Saxonian Protestants) bezeichnen. Damit ist natürlich bereits klar, dass Nicht-Weiße, Nicht-Angelsachsen und Nicht-Protestanten diese Partei eigentlich nicht wählen können; abgesehen davon, dass das Parteiprogramm ohnehin Unfug ist.
Zählt man noch die liberal-atheistischen und gebildeten Eliten der Küstenstaaten hinzu, die sich von dem national-religiösem „Gott- und Knarre-Geschwätz“ der republikanischen Partei abgestoßen fühlen, dann haben die Demokraten in Bälde eine strategische Mehrheit und das ist gut so! Schließlich haben die Republikaner Nixon, Reagan, Bush senior und Bush junior das Land kaputt gemacht.