Eine Ölpumpe am See von Maracaibo, Venezuela
Weil das Ultimatum der Regierung zum Jahresende ausläuft, könnte
Exxon bald enteignet werden. Exxon ist das einzige Ölunternehmen, das sich der Verstaatlichungspolitik im sozialistischen Venezuela entgegensetzt. Wie in den meisten anderen Branchen auch, versucht Linkspopulist Chávez, das Gewicht der Privatwirtschaft im Energiesektor zurückzudrängen. Angesichts des hohen Erdölpreises kann er mit seinem ideologischen Schachzug nebenbei auch die Einnahmen der Staatskasse aufbessern.
Seit über einem Jahr treibt Chávez sein Vorhaben voran. Er will die unter der Vorgängerregierung mit den ausländischen Erdölkonzernen geschlossenen Verträge revidieren. Der ehemalige Putschoffizier Chávez lässt keinen Zweifel, dass er es ernst meint: Wer sich seiner Forderung nicht bis Ende des Jahres beugt, wird enteignet, hat er gedroht. Die Firmen stehen vor der Wahl, das Land zu verlassen und Millioneninvestitionen abzuschreiben oder weniger lukrative Verträge mit der Regierung einzugehen.
BP und Chevron beugen sich
Die aktuelle Verträge stammen aus den 90er Jahren, als Venezuelas Erdölreserven erstmals auch ausländischen Firmen zugänglich gemacht wurden. Derzeit werden drei Dutzend Erdölfelder von internationalen Konzernen bearbeitet. Die meisten Unternehmen, darunter die britische
BP , die brasilianische Petrobras und der US-Konzern
Chevron haben sich gebeugt und den Forderungen zugestimmt.
Exxon betreibt in Venezuela mit der spanischen Repsol YPF das Erdölfeld Quiamare La Ceiba. Während
Repsol bereit ist, auf die Forderungen der Regierung einzugehen, hat Exxon das abgelehnt. Statt dessen hat der Konzern gedroht, Venezuela wegen der letztjährigen Erhöhung der Lizenzgebühren zu verklagen.
Ähnliche Konflikte drohen auch in anderen Ländern Lateinamerikas. Denn Chávez treibt sein Projekt "Petrosur" voran: PDVSA soll künftig über Kooperationen mit anderen staatlichen Energiekonzernen ein Gegengewicht zu Konzernen aus dem verhassten kapitalistischen Norden bilden. Teil der Pläne ist eine Pipeline durch Lateinamerika für rund 10 Mrd. $, die laut Chávez "allen Völkern Südamerikas in den nächsten 200 Jahren" den Zugang zu Energie garantieren soll.
Ein Sprecher von Exxon wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Der venezolanische Ölminister Rafael Ramirez rechnete jedoch damit, dass Exxon in letzter Minute einlenkt und das neue Lizenzabkommen doch unterschreibt.
Bei Simmons & Co, einer US-Investmentbank mit dem Fokus auf Energieunternehmen, sieht man das nicht ganz so. "Exxon Mobil fährt traditionell eine härtere Linie, wenn es um Verhandlungen mit Regierungen über Förder- und Bohrlizenzen geht", sagte Bill Herbert von Simmons der FTD.
Ölexperte Phil Flynn von Alaron Trading ist sich aber sicher, dass sich auch Exxon einigen wird: "Natürlich kann sich Exxon noch zurückziehen, aber ich denke, dass Exxon kein Interesse hat, mit Hugo Chávez zu einem Showdown zu kommen." In Zeiten hoher Energiepreise lohne sich das Geschäft, darauf wollen niemand verzichten.