Bei zwei von drei Schweinegrippe-Verdachtsfällen im Klinikum Bielefeld wurde am Montagnachmittag Entwarnung gegeben. Ein Geschwisterpaar war mit Fieber und anderen grippeähnlichen Symptomen aufgenommen worden, wie ein Sprecher des Krankenhauses sagte. Die junge Frau und ihr Bruder sollen aus Mexiko zurückgekehrt sein, wo die Seuche besonders schlimm wütet. In einer ärztlichen Untersuchung sei der Verdacht ausgeräumt worden. Eine Meldung über einen dritten Verdachtsfall bestätigte sich nicht.
Nach Einschätzung der Bundesregierung besteht für die Einwohner Deutschlands durch die Schweinegrippe in Mittel- und Nordamerika derzeit kein direktes Risiko. "Eine unmittelbare Gefährdung besteht nicht", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Berlin. Allerdings verschärfte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) seine Reiseempfehlung für Mexiko: Wer nicht unbedingt in das Land müsse, solle auf die Reise verzichten.
Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) warnte vor Aufenthalten in den USA: "Derjenige, der nicht reisen muss, soll sich das gut überlegen", sagte sie am Rande einer Tagung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es sei ebenso falsch, "jetzt abzuwiegeln, wie in Panik zu fallen".
Experten warnen vor Ausbreitung in Deutschland
Weltweit rüsten sich Staaten gegen eine Ankunft der Schweinegrippe. Der Notfallausschuss der WHO kam zu einer Sondersitzung zusammen, um die Lage zu beraten. Experten erwarten ein baldiges Ausbreiten der Schweinegrippe in Deutschland. "Man muss täglich damit rechnen", sagte der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, im Rundfunk Berlin-Brandenburg. "Im Moment ist das Virus in Deutschland noch nicht angekommen. Aber wir sind darauf eingestellt."
Die spanische Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez hatte am Vormittag in Madrid mitgeteilt, dass bei einem aus Mexiko nach Spanien zurückgekehrten Patienten der mutierte Schweinegrippeerreger vom Typ H1N1 nachgewiesen worden sei.
Auch in Frankreich gibt es vier Verdachtsfälle. Die dortigen Gesundheitsbehörden gaben bekannt, dass die Betroffenen wegen Symptomen der tödlichen Seuche untersucht werden. Die möglicherweise infizierten Menschen waren in den vergangenen Tagen aus Mexiko oder dem Süden der USA zurückgekehrt. Bei fünf weiteren Patienten gab es Entwarnung.
Alarmiert ist auch die Reisebranche: Der größte deutsche Reiseveranstalter
TUI sagte als Reaktion auf den Ausbruch der Schweinegrippe alle Reisen nach Mexiko-Stadt ab. Auch im Rahmen von Rundreisen werde die Metropole in der nächsten Woche nicht mehr angesteuert, teilte TUI in Hannover mit. Der Stopp gelte zunächst bis zum 4. Mai.