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Merken   Drucken   31.01.2011, 09:15 Schriftgröße: AAA

Verhältnis zu Israel: Die letzten Freunde des Pharaos

Israel fürchtet einen Sturz des Mubarak-Regimes. Denn unter ihm waren nicht nur die Beziehungen stabil. Er war auch ein wichtiger Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern. von Max Borowski  Jerusalem
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Hosni Mubarak hat stets Distanz gewahrt zu Israel. Nur ein einziges Mal in seiner fast 30-jährigen Amtszeit besuchte der ägyptische Präsident das Nachbarland: zur Beerdigung des 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin. Dennoch gilt Mubarak Regime in Israel als Garant, dass der südliche Nachbar den Friedensvertrag von 1979 und ein Minimum an Kooperation aufrechterhält. Die Demonstranten, die gegen Mubarak aufbegehren, treffen in Jerusalem deshalb kaum auf Sympathien.
"Zweifellos ist das, was in Ägypten passiert, nicht gut für Israels Interessen", sagte der ehemalige Botschafter Israels in Ägypten, Eli Shaked. Am meisten fürchtet Israel die islamistischen Muslimbrüder, die eng mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen verbunden sind. Aber auch die säkulare Opposition kritisiert immer wieder die ihrer Meinung nach zu enge Zusammenarbeit der ägyptischen Regierung mit Israel.
Wichtiger Vermittler
Offiziell nimmt Jerusalem weder für noch gegen die Demonstranten Stellung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag lediglich, man beobachte die Lage mit Sorge: "Der Frieden zwischen Israel und Ägypten dauert seit 30 Jahren an, und unser Ziel ist, dass diese Beziehungen weiter so bestehen."
Die Zurückhaltung kann nicht die große Sorge verdecken, die sich die Israelis um das Regime in Kairo machen. Ägypten ist nicht nur Israels direkter Nachbar. Mubarak und sein neuer Vize, Geheimdienstchef Omar Suleiman, sind auch wichtige Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern, zwischen Israel und der arabischen Welt und zwischen den untereinander verfeindeten Palästinenserfraktionen. "Wir haben ein Interesse daran, dass das Mubarak-Regime weitermacht", sagte Oppositionsführer Benjamin Ben Eliezer von der Arbeitspartei, der als Ex- Verteidigungsminister sowohl Mubarak als auch Suleiman persönlich kennt.
In Israel wird zwar seit Jahren immer wieder kritisiert, dass Ägyptens Sicherheitskräfte nicht genug täten, etwa im Kampf gegen den Waffenschmuggel in den abgeriegelten Gazastreifen. Die Aussicht, dass eine neue Regierung, womöglich unter Führung der Muslimbrüder, die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen unterstützen könnte, bereitet Israel aber noch mehr Sorgen.
Neue Strategie für Nahost
Der Internetdienst Ynet zitierte am Wochenende einen nicht namentlich genannten Sicherheitsbeamten, demzufolge ein Machtwechsel Israels gesamte Sicherheitsstrategie über den Haufen werfen könnte. Derzeit konzentriere sich die israelische Armee weitgehend auf andere Bedrohungen. Sollte aber Ägyptens große und von den USA gut ausgerüstete Armee unter den Einfluss einer feindlich gesinnten Regierung fallen, müsse Israels derzeitige Verteidigungsstrategie komplett überdacht werden.
Hohn ernteten die israelischen Geheimdienste für ihre Einschätzung der Lage in Ägypten. Wie die Zeitung Haaretz am Sonntag berichtete, hatte der Chef des Militärgeheimdienstes, Aviv Kochavi, einem Parlamentskomitee noch am vergangenen Dienstag, als die Unruhen ausbrachen, berichtet, das Regime in Kairo habe alles unter Kontrolle. Daraufhin hatten mehrere hochrangige Politiker den Israelis in Interviews versichert, es bestehe kein Grund zur Sorge um das Nachbarland.
  • FTD.de, 31.01.2011
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