Liebe Stammtischbrüder und Stammtischschwestern,
Giorgos Papandreou hat nach seinem Amtsantritt im Oktober 2009 damit begonnen, den von euch so viel geliebten "Klartext" zu reden. Er hat erstmal alle greifbaren Zahlen geprüft und seine Bewertung im Februar 2010 auf den Tisch gelegt: "Wir sind pleite." Oha, ein Kassensturz im Sinne des Wortes. Soviel zum Thema unehrliche Griechen.
Darüber, dass die griechische Verwaltung unterfinanziert und unterirdisch aufgestellt ist, sind sich Griechen und der Rest der Welt einig. Steuern werden nicht kassiert, Unterlagen vergammeln in Einkaufswagen, also so geht es nicht! In Köln würde so ein Archiv glatt gesprengt.
Papandreou hat den Anfang gemacht. Alles Weitere ist keine "Salamitaktik", sondern der Erfolg zum Beispiel seines um Aufklärung verzweifelt bemühten Finanzministers.
Ja, die Probleme sind uns bekannt, sagen wir, Maßnahmen zur Lösung haben wir beschlossen, nach jetzt zwei Jahren sogar einen Schuldenschnitt. Und deutsche Politiker, immer fleißig, ermahnen nun ihre Kollegen im Ausland zur Erledigung ihrer "Hausaufgaben".
Jawohl, mein Lehrer! Um im Bild zu bleiben: Herr Papandreou krempelt die Ärmel noch weiter hoch bis zur Schulter, fährt sich mit gespitzter Zunge über die Lippen, und will nun Worten auch Taten folgen lassen. Die Hausaufgaben müssen schließlich erledigt werden. Papandreous Problem: Sein Füller ist endgültig leergeschrieben, und neue Tinte gibt ihm in seiner Griechisch-Klasse auch keiner.
Und wie geht's weiter? Ich bin gespannt. Die Sache mit der Tinte wird sich aber klären, meint ihr nicht auch, liebe Stammtischbrüder und Stammtischschwestern?
Übrigens, Weltmeister in puncto Korruption ist wohl immer noch Indien. Und "Nepotismus", das Wort, entstammt dem Lateinischen. Ergo, auch Vetternwirtschaft ist keine originär griechische Erfindung. Da ich in Köln lebe, sage ich nur "Klüngel". Bayerische "Spezis" und schwäbische "Vetterles" wissen, wovon ich rede.