"Es gibt bei der Familienplanung viel nachzuholen", sagte der Vizedirektor des Uno-Bevölkerungsprogramms, Thomas Büttner, in Berlin. Nach der neuen Weltbevölkerungsprognose 2009 werden bis 2050 in den 49 ärmsten Ländern mit 1,7 Milliarden doppelt so viele Menschen leben wie heute.
Experten sprechen von weltweit 76 Millionen ungewollten Schwangerschaften pro Jahr - etwas weniger als das jährliche Bevölkerungswachstum von 80 Millionen. Die Folgen fehlender Familienplanung sind oft Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, weil den Frauen ärztliche Betreuung fehlt. Immer noch sterben eine halbe Million Mütter im Jahr, obwohl diese Zahl nach den Uno-Entwicklungszielen bis 2015 um drei Viertel gesenkt werden soll.
Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, schreibt dies einem drastischen Einbruch der Mittel zu. "Wir haben eine Verhütungskrise", sagte sie. Der Anteil für Familienplanung an den Budgets für die Frauengesundheit sei von 55 Prozent 1995 auf neun Prozent 2005 gesunken. "Man hat nur auf Aids geschaut und sich auf Erfolgen der Vorjahre ausgeruht."
Deutschland hat als bedeutender Entwicklungsfinanzierer zwar nicht reduziert. Der mit Abstand größte Geldgeber, die USA, propagierte unter Präsident George W. Bush aber freiwillige Enthaltsamkeit, statt Pillen und Kondome zu verteilen. "Die USA haben nur auf Abstinenzpolitik gesetzt, die an der Realität vorbeigeht", kritisierte Bähr. Sie hofft, dass der Demokrat Barack Obama die Weichen neu stellt.
Die Weltbevölkerung wird - allein in Entwicklungsländern - um 2,3 Milliarden wachsen und Mitte des Jahrhunderts 9,1 Milliarden erreichen. Indien wird voraussichtlich 2029 Chinas Bevölkerungszahl übertreffen und schon 2020 dichter besiedelt sein als die Niederlande.