Dani Rodrik
Der Renminbi wird bei dieser Diskussion überwiegend als US-chinesisches Problem betrachtet, während die Interessen der armen Länder weitgehend unbeachtet bleiben. Dabei könnte eine deutliche Wertzunahme erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben. Ob sie freilich von einer Neubewertung des Renminbi profitieren oder darunter leiden würden, ist strittig.
Auf der einen Seite steht Arvind Subramanian vom unabhängigen Peterson Institute for International Economics in Washington DC. Er argumentiert, die Entwicklungsländer würden stark unter Chinas Politik der billigen Währung leiden; diese erschwere es ihnen, auf den Weltmärkten mit chinesischen Waren zu konkurrieren, das habe ihre Industrialisierung gebremst und ihr Wachstum zurückgeworfen. Gewönne der Renminbi an Wert, würden die Exporte armer Länder wettbewerbsfähiger, und sie könnten stärker von der Globalisierung profitieren. Daher müssten die armen Länder China zu einer Aufwertung seiner Währung drängen.
Auf der anderen Seite steht das Development Centre der OECD. Es ist zu dem Schluss gekommen, dass die Entwicklungsländer - insbesondere die ärmsten unter ihnen - unter einer deutlichen Aufwertung des Renminbi leiden würden. Die Überlegung dabei ist, dass ein teurer Renminbi das chinesische Wachstum fast mit Sicherheit verlangsamen würde, und das wäre auch für andere arme Länder schlecht, da ihr Wirtschaftswachstum nun mal von der Entwicklung in China extrem abhängig ist. Einer Schätzung der OECD zufolge würde eine Verringerung der jährlichen Wachstumsrate Chinas um einen Prozentpunkt die Wachstumsraten in den armen Ländern um 0,3 Prozentpunkte verringern.
Um diese einander widersprechenden Sichtweisen besser zu verstehen, müssen wir die grundlegenden Treiber des Wachstums betrachten. Dabei reduziert sich die Debatte auf eine grundlegende Frage: Was ist das beste, nachhaltigste Wachstumsmodell für die Länder mit niedrigem Einkommen?