FTD.de » Politik » International » Angriff auf die Bastion im Süden
Merken   Drucken   15.09.2008, 19:10 Schriftgröße: AAA

Wahlentscheidende Bundesstaaten: Angriff auf die Bastion im Süden

Dossier Noch vor wenigen Wochen hoffte der schwarze US-Kandidat Barack Obama auf Wahlsiege im Süden. Nun scheint die konservative Region republikanisch zu bleiben. Nur um Virginia tobt weiterhin eine heftige Schlacht.
von Sabine Muscat (Washington)

Der Sommer war heiß in Virginia - so heiß wie die Hoffnungen der Demokraten. 34 Grad im Schatten und drückende Schwüle hielten Michelle Obama Anfang August nicht davon ab, nach Norfolk zu reisen, Heimathafen der Atlantikflotte der amerikanischen Marine, um dort mit Familien von Militärangehörigen zu sprechen. Die Frau eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten bekommt man in der Küstenregion nicht oft zu sehen, denn Virginia ist ein Südstaat, und der Süden gehört den Republikanern.

Seit 1964 hat in Virginia kein Demokrat mehr bei einer Präsidentschaftswahl gewonnen - ebenso wenig wie in vielen anderen Bundesstaaten im Süden der USA. Zumindest bei Präsidentschaftswahlen ist der Süden fest in der Hand der Republikaner, seit der demokratische Präsident Lyndon B. Johnson in den 60er-Jahren die vollen Bürgerrechte für schwarze Amerikaner in den früheren Sklavenhalterstaaten im Süden durchsetzte.

Kampf um Virginia: Der demokratische Präsidentschaftskandidat ...   Kampf um Virginia: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama wirbt bei einem Auftritt in einer Schule in dem südlichen Bundesstaat um Stimmen

Doch in diesem Jahr wollte Barack Obama  die konservative Bastion knacken. Und die Chancen standen zunächst nicht schlecht. Im Juni wählte Obama Virginia als Ort, um seinen landesweiten Wahlkampf zu eröffnen, nicht seine Heimatstadt Chicago. Zu diesem Zeitpunkt lag er in den Umfragen noch vor seinem republikanischen Gegner John McCain . In Virginia deutete sich eine dramatische Verschiebung der politischen Gewichte an. Und der Bundesstaat sollte nur der Anfang sein, das Einfallstor zum Süden, der Beginn der Rückeroberung der Region durch die Demokraten.

Lage des US-Bundesstaates Virginia   Lage des US-Bundesstaates Virginia

Obamas Wahlkampfteam legte sich ins Zeug. Nach den Vorwahlen, bei denen schwarze Bürger in Rekordzahlen für Obama gestimmt hatten, strömten die Wahlkampfhelfer Obamas bis in Staaten wie North Carolina und Georgia aus. Auch die weißen Wähler der Region könnten sich heute, 40 Jahre nach den Bürgerrechtsschlachten, mit einem schwarzen Kandidaten anfreunden, argumentierte die Zeitschrift "Newsweek" noch im August in einer Titelgeschichte, die eine politisch provokante Überschrift trug: "Das Ende des Südens". Obamas Rasse sei kein Thema, heiß es darin, die Südstaatenwähler redeten wie die Leute im Rest des Landes auch vor allem über die schlechte Wirtschaftslage am Ende der Amtszeit des republikanischen Präsidenten George W. Bush.

Einen Monat später spricht niemand mehr vom Ende des Südens. In North Carolina und Georgia sind die republikanischen Mehrheiten in den Umfragen so solide, dass dort etliche Obama-Büros wieder geschlossen wurden. Der Wahlkampf ist auf den üblichen Stellungskrieg in etwa einem Dutzend Staaten geschrumpft - und von denen liegen die wenigsten im Süden.

"Außer bei Virginia und Florida ist es keine Frage mehr, dass die Südstaaten sich hinter John McCain einreihen werden", sagt der Politikwissenschaftler Larry Sabato von der University of Virginia. "Dass Obama Georgia gewinnen wollte, ist genauso lachhaft wie McCains Hoffnungen auf Kalifornien und New Jersey."

Teil 2: Warum Obama Virginia nicht aufgibt

  • Aus der FTD vom 16.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler