Die Schlacht ist geschlagen - der Sieger heißt Barack Obama. Hier finden Sie die aktuellsten Nachrichten und Reportagen, Analysen und Kommentare zum politischen Weltereignis in den USA.
Der Sommer war heiß in Virginia - so heiß wie die Hoffnungen der Demokraten. 34 Grad im Schatten und drückende Schwüle hielten Michelle Obama Anfang August nicht davon ab, nach Norfolk zu reisen, Heimathafen der Atlantikflotte der amerikanischen Marine, um dort mit Familien von Militärangehörigen zu sprechen. Die Frau eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten bekommt man in der Küstenregion nicht oft zu sehen, denn Virginia ist ein Südstaat, und der Süden gehört den Republikanern.
Seit 1964 hat in Virginia kein Demokrat mehr bei einer Präsidentschaftswahl gewonnen - ebenso wenig wie in vielen anderen Bundesstaaten im Süden der USA. Zumindest bei Präsidentschaftswahlen ist der Süden fest in der Hand der Republikaner, seit der demokratische Präsident Lyndon B. Johnson in den 60er-Jahren die vollen Bürgerrechte für schwarze Amerikaner in den früheren Sklavenhalterstaaten im Süden durchsetzte.
Doch in diesem Jahr wollte Barack Obama die konservative Bastion knacken. Und die Chancen standen zunächst nicht schlecht. Im Juni wählte Obama Virginia als Ort, um seinen landesweiten Wahlkampf zu eröffnen, nicht seine Heimatstadt Chicago. Zu diesem Zeitpunkt lag er in den Umfragen noch vor seinem republikanischen Gegner John McCain . In Virginia deutete sich eine dramatische Verschiebung der politischen Gewichte an. Und der Bundesstaat sollte nur der Anfang sein, das Einfallstor zum Süden, der Beginn der Rückeroberung der Region durch die Demokraten.
Obamas Wahlkampfteam legte sich ins Zeug. Nach den Vorwahlen, bei denen schwarze Bürger in Rekordzahlen für Obama gestimmt hatten, strömten die Wahlkampfhelfer Obamas bis in Staaten wie North Carolina und Georgia aus. Auch die weißen Wähler der Region könnten sich heute, 40 Jahre nach den Bürgerrechtsschlachten, mit einem schwarzen Kandidaten anfreunden, argumentierte die Zeitschrift "Newsweek" noch im August in einer Titelgeschichte, die eine politisch provokante Überschrift trug: "Das Ende des Südens". Obamas Rasse sei kein Thema, heiß es darin, die Südstaatenwähler redeten wie die Leute im Rest des Landes auch vor allem über die schlechte Wirtschaftslage am Ende der Amtszeit des republikanischen Präsidenten George W. Bush.
Einen Monat später spricht niemand mehr vom Ende des Südens. In North Carolina und Georgia sind die republikanischen Mehrheiten in den Umfragen so solide, dass dort etliche Obama-Büros wieder geschlossen wurden. Der Wahlkampf ist auf den üblichen Stellungskrieg in etwa einem Dutzend Staaten geschrumpft - und von denen liegen die wenigsten im Süden.
"Außer bei Virginia und Florida ist es keine Frage mehr, dass die Südstaaten sich hinter John McCain einreihen werden", sagt der Politikwissenschaftler Larry Sabato von der University of Virginia. "Dass Obama Georgia gewinnen wollte, ist genauso lachhaft wie McCains Hoffnungen auf Kalifornien und New Jersey."
Teil 2: Warum Obama Virginia nicht aufgibt