Das Daya Bay Atomkraftwerk in China
China deutete überraschend eine vorsichtige Wende in der Atompolitik an. Noch am Montag beschloss der Nationale Volkskongress einen massiven Ausbau der Kernenergie. Am Mittwoch teilte Peking mit , das Land wolle vorerst keine neuen Atomkraftwerke genehmigen. Alle bestehenden und im Bau befindlichen Reaktoren würden zudem umfassenden Sicherheitstests unterzogen.
"Wir werden den Genehmigungsprozess für alle atomaren Energieprojekte vorübergehend aussetzen, auch für solche, die sich noch in einem frühen Stadium befinden", erklärte der Staatsrat. In China gibt es den Angaben nach keine erhöhte Strahlenbelastung wegen der Atomkatastrophe in Japan. Allerdings ist unklar, ob sich dahinter wirklich eine nachhaltige Wende verbirgt oder es nur ein Trick der Regierung ist.
Laut dem Beschluss zum zwölften Fünfjahresplan sollten eigentlich bis 2015 Anlagen mit einer Kapazität von 40.000 Megawatt gebaut werden. "Wir können von Japan lernen und werden einige Lektionen in unseren Aufbau der Atomenergie einfließen lassen", sagte Vizeumweltminister Zhang Lijun am Rande des Volkskongresses in Peking. "Chinas Entschlossenheit zur Entwicklung der Atomenergie und alle diesbezüglichen Pläne werden sich nicht ändern." Bislang stehen im Land 13 Reaktoren.
Bis September 2010 waren bereits 34 weitere Atomanlagen genehmigt, 25 davon sind schon im Bau. Beobachter glauben aber, dass es auch in China hinter den Kulissen eine Debatte über die Zukunft dieser Energieform geben wird. Auch hier bebt die Erde - vergangene Woche erschütterte ein Beben der Stärke 5,8 die Provinz Yunnan.