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Merken   Drucken   26.01.2011, 16:23 Schriftgröße: AAA

Weltwirtschaftsforum: Licht ins Mysterium Bilderberg

Das Weltwirtschaftsforum ist ein Volksfest im Vergleich zur Bilderberg-Konferenz. Dort sind die Teilnehmer handverlesen, die Debatten streng vertraulich.
von Sven Clausen, Hamburg und Thomas Steinmann, Berlin

Es war gut gemeint. Nach mehr als einem halben Jahrhundert gönnte sich die Bilderberg-Gruppe 2010 erstmals eine Prise Transparenz: Es gibt jetzt eine Internetsite mit groben Details, Teilnehmerlisten und Themen ihres jährlichen Geheimtreffens.

Für die Gegner dieser einzigartigen Runde allerdings ist das vor allem ein Motivationsschub. Einer, der 2010 auf der Teilnehmerliste stand und deswegen zur Zielscheibe wurde, berichtet von wilden Verschwörungstheorien in Hunderten E-Mails: Vom Beschluss zum Einmarsch in den Irak bis zur Gründung der EU wird dem Zirkel praktisch alles zugetraut. Der Teilnehmer will anonym bleiben, weil eigentlich alles in der Bilderberg-Gruppe geheim ist. Und privat.

Europas Chefnotenbanker Jean-Claude Trichet   Europas Chefnotenbanker Jean-Claude Trichet

Gegen die Bilderberg-Konferenz ist Davos ein Volksfest. Nur 120 der einflussreichsten Männer und Frauen aus den USA und Europa treffen sich seit 1954 einmal im Jahr, etwa ein Drittel aus der Neuen Welt, zwei Drittel aus der Alten. "Das ist die Crème von Davos", sagt ein regelmäßiger Teilnehmer. Europas Chefnotenbanker Jean-Claude Trichet  etwa ist ständiger Gast, sein US-Counterpart Ben Bernanke  ebenfalls häufig zugegen.

Gegründet wurde die Konferenz von Prinz Bernhard der Niederlande im Hotel de Bilderberg nahe Arnheim. Der Adelige hatte den Eindruck, der Antiamerikanismus in Europa wachse, er müsse etwas zur Verständigung tun. Weitere Ziele hegt die Runde offiziell immer noch nicht - was angesichts ihres Soziogramms und der berufsmäßigen Entscheidungsfreude ihrer Teilnehmer tatsächlich etwas unglaubwürdig klingt.

Auch die Konsequenz, mit der sich die Runde abschottet, erregt das Misstrauen ihrer Gegner, die sich in zahlreichen Internetforen echauffieren. Beim vergangenen Treffen im Badeort Sitges nahe Barcelona etwa war der Tagungsort, das Luxushotel Dolce Sitges, in einem Radius von mehr als einem Kilometer von grimmig dreinblickenden Polizisten abgesperrt.

Matthias Nass, lange Vizechefredakteur der "Zeit" und inzwischen deren internationaler Korrespondent, ist zusammen mit Deutsche-Bank -Boss Josef Ackermann  und Airbus-Chef Thomas Enders für die deutschen Teilnehmer verantwortlich. Sie sitzen im 36-köpfigen Steering-Committee und entscheiden, welcher Deutsche eine Einladung bekommt. 2010 waren das SPD-Vize Olaf Scholz, Daimler -Chef Dieter Zetsche  und Siemens -Vormann Peter Löscher .

Natürlich hält sich auch Nass, der einzige Journalist in dem Gremium, an das Schweigegelübde. Aber weil ihn die Allmachtsfantasien aufregen, erzählt er doch ein bisschen. "Diese ganzen Verschwörungstheorien sind absoluter Nonsens. Bilderberg hat keine Agenda", sagt er. Nass glaubt, dass die Geheimniskrämerei die Existenzgarantie der Bilderberg-Konferenz ist. "Durch den privaten Charakter ist es allen möglich, frei zu sprechen." So berichten Teilnehmer etwa von einem erbitterten Streit zwischen Amerikanern und Franzosen 2003 über den Einmarsch im Irak. Weil die Hotels jeweils exklusiv für die Teilnehmer reserviert sind und es keine Protokolle gibt, hat auch Wikileaks keine Chance.

Wer Nass zuhört, bekommt den Eindruck, da finde einmal im Jahr eine regelrechte Diskussionsorgie statt. Praktisch ununterbrochen werde debattiert. Zeit genug haben die Bilderberger: Sie müssen sich verpflichten, von Donnerstag bis Sonntagmittag vor Ort zu sein. 2011 tagen sie in der Schweiz - wo genau, ist natürlich noch geheim.

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  • FTD.de, 26.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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