Wenn im Berliner "Haus der Wirtschaft" einem Staatschef aus Afrika mehrere Hundert Unternehmer über den roten Teppich folgen, ist das eine große Ausnahme. Die Anziehungskraft des boomenden Öllands Angola in Südwestafrika erfasst aber selbst den deutschen Mittelstand. Doch das Interesse komme spät, sagen Kritiker. Die Bundesregierung habe sich als Türöffner erst bemüht, als andere Länder wie China schon mit Krediten und Gegengeschäften etabliert gewesen seien.
Auch beim deutsch-angolanischen Wirtschaftsforum am Freitag wird es im Beisein von Präsident José Eduardo dos Santos noch bei unverbindlichen Absichtserklärungen bleiben, die beide Regierungen sowie neun Unternehmen und Banken unterzeichnen: ein Versprechen, die Zusammenarbeit auszubauen. "Die Bundesregierung hat Angola schon lange im Visier gehabt", sagt Hans Meier-Ewert, Geschäftsführer des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft. Erst 2007 aber besuchte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos den Wachstumsmarkt. "China hat viele wachgerüttelt, es bleibt die Frage, ob wir eine Entwicklung verschlafen", sagt Heiko Schwiderowski vom DIHK. Deutschland sei vor dem 27-jährigen Bürgerkrieg in Angola drittgrößter Handelspartner gewesen. Nun ist man weit abgeschlagen.
Experten fordern seit Langem von der Bundesregierung eine aktivere Außenwirtschaftsförderung in Afrika. Firmen seien dort stärker als anderswo auf "politische Flankierung" angewiesen. Die beschränkt sich oft auf Wirtschaftsdelegationen der "Elefantenreisen" von Kanzlern und Ministern, die Konzerne wie RWE auch durchaus nutzen.
Wer es indes nicht in die Regierungsmaschine schafft, dem fehlt die hochrangige Begleitung. So wunderte sich bei der ersten Unternehmensreise des Afrika-Vereins nach Angola 2002 das Gastland über den Rang eines Referatsleiters aus dem Wirtschaftsministerium, wo kurz zuvor doch ein britischer Staatssekretär vorgesprochen hatte. "Das war ständig so, auch in anderen vielversprechenden Märkten wie Mosambik oder Kongo", berichtet ein Teilnehmer.
Wohl warnen Entwicklungspolitiker wie Ute Koczy (Grüne) davor, im Wettlauf um Rohstoffe chinesische Methoden anzunehmen, ohne Rücksicht auf Sozial- und Umweltnormen. Die Regierung dürfe Kredite an Angola nicht mit Steuergeldern fördern, ohne mehr Transparenz zu fordern. Doch sieht ein Mittelständler hier ein Kernproblem der Regierungspolitik: "Afrika wird nicht als Investitionsstandort gesehen, der hiesige Arbeitsplätze sichert, sondern als Entwicklungsland, wo man gibt und nicht nimmt." Somit bleibe das Entwicklungsministerium führend.
Da wird zwar der Aufbau der Wirtschaft über öffentlich-private Partnerschaften (PPP) gefördert. Doch jedes Ministerium pflegt eigene Schwerpunkte - so das Auswärtige Amt mit einer Energiepartnerschaft in Nigeria. "Es fehlt die Koordination, die Botschaften sprechen nicht wie andere mit einer Stimme", sagt DIHK-Mann Schwiderowski. "Der Abstimmungsprozess ist noch nicht optimal", räumt ein Sprecher des Wirtschaftsministers ein. Doch es gebe Besserung, die Förderung werde ausgebaut.