Der Einsatz der amerikanischen Truppen im Irak war und ist heftig umstritten. Wikileaks hat Beweise für die Brutalität der Kriegsführung im Irak erbracht und damit der Informationsfreiheit einen Dienst erwiesen. Die Onlineplattform macht es möglich, dass Streitkräfte, die im Namen von Nationen Kriegseinsätze durchführen, auch von den Bürgern dieser Länder kontrolliert werden können. Einschüchterungsversuche sollten die Plattformbetreiber daher ignorieren.
Dass die US-Regierung so heftig auf die Veröffentlichungen der Onlineplattform reagiert, verdeutlicht die Brisanz, die die Papiere auch für Präsident Barack Obama haben. Der Inhalt der Dokumente fördert zwar wenige neue Erkenntnisse über die Geschehnisse im Irak zutage. Der Missbrauch von Gefangenen durch US-Soldaten, eine Unzahl getöteter Zivilisten sowie die zweifelhafte Rolle privater Söldnertruppen wurden bereits öffentlich angeprangert und diskutiert. Die Dokumente belegen sie allerdings erstmals schwarz auf weiß. Sie stellen zudem die Integrität der von den USA gestützten irakischen Regierung infrage.
Mit der Bedeutung von Wikileaks wächst die Verantwortung - gegenüber den Informanten sowie jenen, deren Leben durch eine Veröffentlichung der Unterlagen gefährdet ist. Gerade bei der Masse an veröffentlichten Dokumenten muss die Plattform den Schutz ihrer Quellen gewährleisten, schon aus Eigeninteresse. Schafft sie das nicht, würde Wikileaks das Vertrauen der Informanten verspielen. Und darüber dürften sich nur jene freuen, die die Öffentlichkeit fürchten.