Drei Ziele im BlickDie Forscher verfolgen drei Ziele: Sie wollen besser verstehen, warum Gene krank machen können. Die Versuchspersonen sollen später erfahren können, ob sie bestimmte Risiken tragen, um mit einem veränderten Lebensstil dem Ausbruch von Krankheiten entgegenzuwirken. Und sie hoffen, mit den Erkenntnissen neue Medikamente zu entwickeln.
Nach drei Jahren Vorbereitungszeit ist es jetzt so weit: Vor wenigen Tagen kamen die ersten Blutproben in der neu eingerichteten Datenbank des estländischen Genom-Projektes an. Ein ähnliches Vorhaben ist in der Bundesrepublik nicht in Sicht. Wissenschaftler bezweifeln hier zu Lande zudem, ob es überhaupt hilfreich oder nützlich wäre.
"Es macht keinen Sinn, in Deutschland Gendaten der Bevölkerung im großen Maßstab zu erheben und auszuwerten", sagt Manfred Stuhrmann-Spangenberg, Humangenetiker an der Medizinischen Hochschule Hannover. Max Baur von der Universität Bonn kann sich "nur lokal und thematisch beschränkte populationsbezogene Studien vorstellen". Für einen bundesweiten Ansatz "wären die Kosten exorbitant".
Thomas Meitinger vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg schlägt eine Alternative vor: Der Humangenetiker, der auch Mitglied im wissenschaftlichen Koordinierungskomitee des Deutschen Humangenomprojekts ist, befürwortet so genannte Kohorten-Studien: Denkbar sei, eine Gruppe von ein bis zwei Millionen Menschen aus mehreren Ländern der Europäischen Union zu untersuchen. Das estnische Projekt ist für ihn auch deswegen interessant, weil der Rückhalt in der Bevölkerung vorhanden und die Stimmung im Lande so gut ist.