"Auch Menschen kann man klonen"Die Gesundheit des Fohlens zeige, dass jede Säugetierart anders auf Klonexperimente reagiere. Deshalb hält Galli Versuche am Menschen zwar wie seine Kollegen für verfrüht und unverantwortlich, aber nicht für prinzipiell unmöglich: "Auch Menschen sind Säugetiere. Ich sehe keinen Grund, dass es nicht eines Tages getan werden könnte."
Derzeit richtet sich sein Interesse jedoch auf die Möglichkeiten, die die Klontechnik für die Forschung bietet: Durch den Vergleich eines geklonten Pferdes mit dem Ausgangspferd ließe sich herausfinden, welche Leistungen eines Pferdes eine genetische Basis haben und welche anerzogen wurden. "In Zukunft können Klone klären, welchen Anteil Gene an den sportlichen Fähigkeiten der Pferde haben und welchen Training und Dressur ausmachen", sagt Galli.
Auch komplexe Krankheiten könnten mit Hilfe geklonter Pferde auf ihren genetischen Hintergrund überprüft werden, ergänzt Katrin Hinrichs, Veterinärmedizinerin an der Texas A&M University. Erst Ende vergangener Woche hörte die Forscherin, dass sie das Rennen von weltweit fünf Laboren um den ersten Pferdeklon verloren hat. Der Geburtstermin für den "vielleicht noch ersten amerikanischen Pferdeklon" ist im November. Für die Zucht, zum Beispiel von Reit- oder Rennpferden, dürfte Klonen keine wesentliche Rolle spielen. "Der Züchter will keinen Klon eines Pferdes, das er schon hat. Er will zwei gute Pferde kreuzen, um ein besseres zu bekommen", sagt Hinrichs. Einen Champion zu klonen, sei schon aus bürokratischen Gründen wenig attraktiv, sagt Hinrichs: Der amerikanische Jockey Club, bei dem jedes Rennpferd zugelassen werden muss, verbiete Tiere, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden - "vom Klonen gar nicht zu sprechen".