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Merken   Drucken   07.12.2009, 13:40 Schriftgröße: AAA

Wissenschaftlerstreit: Klimaforscher fürchten um ihren Ruf

Der Weltklimarat IPCC will die Vorwürfe aufklären, Forschungsergebnisse zum Klimawandel seien absichtlich manipuliert worden. von Maike Rademaker 
Dies kündigte Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des IPCC, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP am Wochenende an. "Wir wollen hier gewiss nichts unter den Teppich kehren", sagte er.
Rajendra Pachauri, Vorsitzender des IPCC   Rajendra Pachauri, Vorsitzender des IPCC
Die Arbeit der Klimaforscher war in die Kritik geraten, weil ein bis heute offenbar unbekannter Hacker Ende November die Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia geknackt hat. Er stellte über 1000 E-Mails und Dokumente international renommierter britischer und amerikanischer Klimaforscher online. Seitdem herrscht Krieg in der Klimaszene. Denn was nun jeder lesen kann, sind nicht nur unschöne Beschimpfungen.
Dazu gehören auch E-Mails, die weit brisanter sind, weil sie den Klimaskeptikern Nahrung liefern, also jenen Forschern und Politikern, die bis heute infrage stellen, dass es eine Erderwärmung gibt - und falls doch, dass sie menschengemacht ist. Und das kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen, für den sich derzeit weltweit Politik, Wissenschaft und Wirtschaft warmlaufen.
So gibt es in dem Austausch Aufforderungen, brisante E-Mails oder klimarelevante Daten zu löschen sowie Artikel aus kritischen Fachzeitschriften herauszuhalten. Umstritten war besonders eine E-Mail des CRU-Chefs Phil Jones, nach der die sogenannte Hockeyschlägerkurve, die den rapiden weltweiten Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte zeigt, manipuliert worden sein soll.
Klimaforscher verteidigen ihre grundsätzlichen Annahmen. "Wir halten keine Informationen zurück", sagte Trevor Davies, der Vizekanzler der University of East Anglia. "Es ist auch bei den Klimaskeptikern bekannt, dass 95 Prozent der Rohdaten (...) seit mehreren Jahren zugänglich sind."
Dennoch steht die Wissenschaft unter Rechtfertigungsdruck. Phil Jones lässt sein Amt ruhen, solange Untersuchungen laufen: Seine Universität will sowohl die Sicherheitsvorkehrungen als auch den Umgang mit Rohdaten durch seine Wissenschaftler untersuchen.
Die Affäre hat aber den Campus in Norwich längst verlassen und schlägt höhere Wellen. In Großbritannien argwöhnt die Boulevardzeitung "Daily Express", die Argumente für Klimarettung zielten nur auf ungerechte Steuererhöhungen. Der republikanische US-Senator James Inhofe hat eine Untersuchung gefordert - und hofft, damit Obamas Gesetzentwurf zum Emissionshandel im Kongress sturmreif schießen zu können.
Nur in Deutschland herrscht eine eigentümliche Stille um die Affäre. Die E-Mails belegten vor allem "die Gründung eines Kartells zur Durchsetzung der Sicht und Wahrnehmung seiner Mitglieder", sagte der Klimaforscher Hans von Storch in der "Welt". Von Storch war selbst in den CRU-Mails angegriffen worden.
Er hält sowohl "Alarmisten" wie "Skeptiker", wie er sie nennt, für schädlich in der wissenschaftlichen Debatte. Doch auch für ihn gibt es keinen Grund, die Ziele von Kopenhagen zu ändern: "Ich erwarte eine Reihe von schön klingenden Erklärungen, von denen einige vermutlich wirklich umgesetzt werden. Die Temperatur aber wird dennoch steigen - hoffentlich viel weniger als ohne Klimagipfel."
  • Aus der FTD vom 07.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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