Die Schlacht ist geschlagen - der Sieger heißt Barack Obama. Hier finden Sie die aktuellsten Nachrichten und Reportagen, Analysen und Kommentare zum politischen Weltereignis in den USA.
Es brauchte einen Pastor, um die beiden US-Präsidentschaftskandidaten an ihr Versprechen zu erinnern, einen zivilisierten Wahlkampf zu führen.
Der Mann heißt Rick Warren, ist evangelikaler Bestsellerautor, seine monströs große Megakirche im kalifornischen Lake Forest besuchen bis zu 22.000 Zuhörer. Am vergangenen Samstag ist es so weit, der Geistliche erhält hohen Besuch, auf seine Einladung hin kommen: Barack Obama und John McCain .
"Die beiden sind meine Freunde", stellt Warren die möglichen George-W.-Bush-Nachfolger vor. An diesem Abend gehe es darum, "den Anstand im öffentlichen Diskurs wiederherzustellen", sagt er, und es klingt wie eine Kritik an den Gästen, die beide einst so edle Absichten bekundet hatten - und die letzten Wochen damit verbrachten, einander mit dem wahlkampfüblichen Schmutz zu bewerfen.
In der friedvollen Atmosphäre der Saddleback Church begrüßen sich die beiden Top-Politiker per Handschlag. Zu einem veritablen Schlagabtausch, 80 Tage vor der US-Präsidentschaftswahl, kommt es nicht, interviewt werden sie einzeln. Warren stellt ihnen jeweils die gleichen Fragen. Das Gespräch mit dem Pastor wirkt wie eine Zäsur vor den Parteitagen von Demokraten und Republikanern, die ab nächster Woche die wirklich heiße Phase des Wahlkampfs einleiten. Und in Teilen mutet es wie eine öffentliche Beichte an.
Egoismus sei die größte moralische Schwäche seiner Jugendzeit gewesen, bekennt Obama und erklärt: "Ich hatte eine schwierige Kindheit." Ein abwesender Vater, Experimente mit Alkohol und Drogen. "Ich war so besessen von mir selbst und von den Gründen, warum ich unzufrieden sein könnte, dass ich mich nicht auf andere Menschen konzentrieren konnte", sagt Obama.
Auch McCain zieht es vor, ein dunkles Kapitel seines Privatlebens selbst anzusprechen, bevor er danach gefragt wird. Das Scheitern seiner ersten Ehe sei sein größter moralischer Fehler gewesen, bekennt der Republikaner, der nach seiner Rückkehr aus dem Vietnamkrieg seine nach einem Autounfall behinderte erste Frau verlassen und 1980 die 17 Jahre jüngere Cindy Hensley geheiratet hatte.
Nächstes Thema: Abtreibung. McCain präsentiert sich als klarer Abtreibungsgegner - und bekommt dafür kräftigen Applaus. Obama will die Entscheidung jeder Frau überlassen, verspricht aber Unterstützung, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Er erntet unwilliges Murmeln im Publikum.
Warren fragt: "Wann ist jemand reich?" McCain windet sich, gedrängt zu einer Antwort sagt er etwas von 5 Mio. $. Obama schon schlagfertiger: "Wenn jemand 25 Millionen Bücher verkauft." Da muss auch Kirchenmann und Bestsellerautor Warren lachen.