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01.07.2011, 10:37
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Zweifel am Zimmermädchen:
Dramatische Wende im Fall Strauss-Kahn
Der Staatsanwalt vertraut der eigenen Hauptzeugin offenbar nicht mehr: Die Hotelangestellte, die DSK des Vergewaltigungsversuchs bezichtigt, soll die Ermittler belogen haben. Die Anklage gegen den Ex-IWF-Chef steht auf der Kippe.
Die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung könnte Medienberichten zufolge schon bald wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. An der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens, das dem früheren Währungsfonds-Chef einen Vergewaltigungsversuch vorwirft, gibt es nach Angaben der "New York Times" erhebliche Zweifel. Die Zeitung schreibt, dass die Staatsanwälte das Vertrauen in ihre einzige Zeugin verloren hätten. Der ganze Fall sei "am Rande des Zusammenbruchs". Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Strauss-Kahn am Freitag erneut vor Gericht erwartet wird.
Sollte die Anklage fallengelassen werden, könnte dies den Weg für ein politisches Comeback des 62-Jährigen ebnen. In Frankreich galt der dort DSK genannte Politiker bis zu seiner Festnahme im Mai als Hoffnungsträger der Sozialisten und aussichtsreichster Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy.
Spießrutenlauf ins Gericht
Inszenierte Schuld
Die 32-Jährige, die vor neun Jahren aus dem westafrikanischen Guinea eingewandert war, soll laut der Zeitung nicht nur bei ihrem Asylantrag gelogen haben. Es gebe auch Hinweise, dass sie in Geldwäsche und Drogenhandel verwickelt sei. Die Zeitung beruft sich dabei auf zwei hochrangige Strafverfolger, ohne sie namentlich zu nennen.
"Die Glaubwürdigkeit steht infrage", sagte eine mit dem Fall vertraute Person, auf die sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft, mit Blick auf die Hotelangestellte. Ein anderer Eingeweihter sagte, die Staatsanwaltschaft habe den Fall zur Anklage gebracht, ohne den Hintergrund der Belastungszeugin hinreichend zu überprüfen. "So ziemlich alles, was über diese Frau berichtet wurde, war von Anfang an falsch. Aber niemand hat nachgeforscht oder wollte etwas anderes glauben."
Die Frau hatte angegeben, dass Strauss-Kahn sie am 14. Mai in seinem Hotelzimmer splitternackt überfallen und zum Oralsex gezwungen habe. Der Franzose wurde gut vier Stunden später in der Ersten-Klasse-Kabine seines Paris-Fluges festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Die letzten Wochen durfte er allerdings, nach Hinterlegung einer Kaution von 6 Mio. Dollar, unter strengsten Auflagen, in einem großzügigen Apartment in Manhattan wohnen. Wegen der Vorwürfe war Strauss-Kahn als IWF-Chef zurückgetreten. Nachfolgerin wird die französische Finanzministerin Christine Lagarde.
Die Ermittler klagten intern über "große Löcher" in der Glaubwürdigkeit der Frau, berichtete die Zeitung. Sie habe bei den Vernehmungen in den vergangenen knapp sieben Wochen wiederholt gelogen. Auch wenn es Beweise für einen sexuellen Kontakt gebe, würden die Ankläger ihr nicht mehr viel glauben.
So soll sie am Tattag mit einem inhaftierten Mann über die Möglichkeit gesprochen haben, mit Vorwürfen gegen den Franzosen Geld zu machen. Der Mann sitze wegen Drogenschmuggels und habe immer mal wieder Geld, zusammen etwa 100.000 Dollar, auf dem Konto der Frau geparkt. Bislang galt sie als alleinstehende Mutter, die mit dem Lohn als Zimmermädchen mühsam sich und ihr Kind durchbringt.
Teil 2: Kaution könnte reduziert werden
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FTD.de, 01.07.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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