FTD.de » Politik » International » Nach Abschuss des türkischen Kampfjets fehlt die syrische Rakete
Merken   Drucken   11.07.2012, 17:26 Schriftgröße: AAA

Zweifel an Darstellung Ankaras: Nach Abschuss des türkischen Kampfjets fehlt die syrische Rakete

Weit draußen über dem Mittelmeer schoss die syrische Luftabwehr angeblich die Phantom F4 aus dem Nato-Land Türkei ab. Doch von einer dazu nötigen Abwehrrakete fehlt jede Spur -  möglicherweise wurde die Maschine doch über Assads Hoheitsgebiet getroffen.
© Bild: 2012 Bildfunk/dpa/Stringer
Weit draußen über dem Mittelmeer schoss die syrische Luftabwehr angeblich die Phantom F4 aus dem Nato-Land Türkei ab. Doch von einer dazu nötigen Abwehrrakete fehlt jede Spur - möglicherweise wurde die Maschine doch über Assads Hoheitsgebiet getroffen.
von Markus Bernath, Istanbul

Truppen wurden zusammengezogen, die Nato alarmiert, Kampfjets losgeschickt, als syrische Hubschrauber in Grenznähe flogen. Der Zorn der Türkei sei groß, tönte Regierungschef Tayyip Erdogan Ende Juni, nachdem die syrische Armee ein Militärflugzeug der Türken abgeschossen hatte. Nach türkischer Darstellung geschah dies vorsätzlich, ohne Warnung und im internationalen Luftraum.

Doch diese Version wackelt. Sollte die Phantom F4 wirklich 13 Seemeilen vor der Küste abgeschossen worden sein, wäre dies auf die Distanz nur mit einer Rakete möglich gewesen. Auf ihren Radarschirmen haben türkische Militärs jedoch nichts gesehen. Satellitenaufnahmen sind nicht bekannt. "Es gibt kein Bild von einer Rakete", gab ein General zu.

Bergung der türkischen "Phantom" Was vom Kampfjet übrig blieb

Das Warnsystem des Jets hätte zudem Alarm geben müssen, wenn es eine anfliegende Rakete geortet hätte, sagte Brigadegeneral Baki Kavun. Auch das geschah offenbar nicht. Der naheliegende Schluss: Der Jet flog tief und langsam im syrischen Luftraum und wurde von Artilleriegeschossen getroffen. Das hatte Syrien von Anfang an gesagt.

Aber Ankara trug seine Version vom völkerrechtswidrigen Angriff nach Brüssel und erntete Solidarität. "Was geschehen ist, ist ein völlig unakzeptabler Akt", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Dabei kursierten schon kurz nach dem Abschuss plausible Vermutungen, ein türkischer Spionageflieger habe den syrischen Luftraum verletzt.

Die Leichen der Piloten sind nun geborgen. Wrackteile, die von der syrischen Armee übergeben wurden, sollen Einschusslöcher von Artilleriefeuer aufweisen. Man habe die Maschine für einen israelischen Kampfjet gehalten, hatte Staatschef Baschar al-Assad erklärt. "Alles Lüge", entgegnete der türkische Außenminister. Auch Armeechef Necdet Özel bleibt bei der Darstellung. Eine Erklärung für die fehlende Rakete hat er nicht.

  • Aus der FTD vom 12.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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