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Merken   Drucken   04.11.2010, 17:55 Schriftgröße: AAA

Amerika in Schwierigkeiten: Kenneth Rogoff - Lasst Obama nicht hängen

Kommentar Die G20 sollten den USA helfen, ihre Wirtschaft in Gang zu bringen. Und das schon allein aus purem Eigennutz. von Kenneth Rogoff
Kenneth Rogoff ist Professor für Public Policy an der Harvard University und ehemaliger Chefökonom des IWF. www.project-syndicate.org
G20-Politiker, die über den Vorschlag der Vereinigten Staaten spotten, bezifferbare Grenzwerte für Handelsbilanzen einzuführen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie mit dem Feuer spielen. Die USA stellen weniger eine Forderung, als dass sie um Hilfe bitten.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet vor, dass 25 Prozent des weltweiten Anstiegs der Arbeitslosigkeit seit 2007 auf die USA entfallen. Wenn diese Situation so lange andauert, wie sie es nach meinen Befürchtungen tun könnte, wird dies den Grundstein für gewaltige globale Spannungen legen. Die Wut der Wähler, die bei den US-Zwischenwahlen zum Ausdruck kam, könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.
Kenneth Rogoff   Kenneth Rogoff
Protektionistische Handelsmaßnahmen, vielleicht in Form hoher US-Zölle auf chinesische Importe, wären äußerst selbstzerstörerisch, selbst ohne die unausweichlichen Vergeltungsmaßnahmen. Doch sollte man sich nicht täuschen: Der Boden für populistische Wirtschaftsentscheidungen wird täglich fruchtbarer.
Der neue US-Kongress sucht nach Sündenböcken für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes. Und bei einem Präsidenten, der mitunter offen das starre ideologische Bekenntnis zum freien Handel infrage gestellt hat, ist alles möglich. Sollten die Handelsspannungen überkochen, so könnten die politischen Entscheidungsträger auf die heutigen "Währungskriege" als unbedeutende Gefechte in einer wesentlich größeren Schlacht zurückblicken.
Angesichts Amerikas aktueller Schwierigkeiten sollte sein neuer Vorschlag, um das immerwährende Problem der globalen Ungleichgewichte anzugehen, als konstruktive Geste angesehen werden. Anstatt endlos auf Chinas Währungsbindung herumzureiten, die nur einen kleinen Teil des Problems darstellt, haben die USA da um Hilfe gebeten, wo es zählt: bei der Leistungsbilanz.
Es ist wahr, dass die heutigen Handelsungleichgewichte zum Teil ein Symptom größerer langfristiger Wirtschaftstrends sind, etwa für Deutschlands alternde Bevölkerung, Chinas schwaches soziales Netz und für berechtigte Bedenken im Nahen Osten über den letztendlichen Verlust seiner Öleinnahmen. Zudem wäre es sehr schwierig für einzelne Länder, ihre Handelsüberschüsse zu begrenzen: Es gibt einfach zu viele makroökonomische Stellschrauben.
Doch selbst wenn die Staats- und Regierungschefs der G20 zu dem Schluss kommen, dass sie keine bezifferbaren Zielvorgaben unterstützen können, müssen sie erkennen, wie sehr die USA im Namen des Freihandels leiden. Irgendwie müssen sie eine Möglichkeit finden, den USA bei der Steigerung ihrer Exporte zu helfen. Glücklicherweise haben die Schwellenländer viel Spielraum.

Teil 2: Ende der amerikanischen Vorherrschaft

  • FTD.de, 04.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 05.11.2010 11:11:56 Uhr   K.H.Holtmann: Amerika in Schwierigkeiten

    Der Vorschlag bezifferbare Grenzwerte für Handelsbilanzen einzuführen ist grundsätzlich vernünftig. Nur es ist äußerst zweifelhaft ob ein solche Regelung wirksam weltweit durchsetzbar ist. Realistisch gesehen vermutlich ein frommer Wunschtraum.
    Die begonnene Finanz- und Wirtschaftskrise wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu stoppen sein, zeitweilige Abschwächung der Symtome kann wirlkich nur durch Erzeugung von mehr "Entropie" durch ein Anheizen der Kriese erreicht werden. Der Verlauf wird erst enden, wenn die maßgebliche Währungssysteme am Ende sind. Es muss ein neunes Weltwährungssystem geschaffen werden - ohne wenn und aber-., welches multilateralen Handel und Währungsaustausch unbegrenzt erlaubt und auch die geänderten weltwirtschaftlichen Machtverhältnisse - China , Osteuropa - berücksichtigt. Es führt kein Weg an einem weltweit auf Realwerte gestütztes Währungssystem vorbei welches die Manipulationsmöglichkeiten der Notenbanken drastisch einschränkt und den freien internationalen Handel Scherheit und Vertrauen bietet. Möglicherweise könnte dies ein weltweites durch Gold und andere Realwerte gestütztes neues Weltwährungssystem sein.
    Solange dies nicht erfolgt wird nur die Möglichkeit bestehen Zeit zu gewinnen oder sich durch Verschlimmerung der Kriese kurzfristige Vorteile zu verschaffen.
    Es sieht nicht gut aus, das Schlimmste kommt noch.

  • 05.11.2010 10:48:49 Uhr   Thomas Müller: @B.K.
  • 05.11.2010 10:40:44 Uhr   Thomas Müller: @Anton Meyer
  • 05.11.2010 10:34:43 Uhr   Thomas Müller: @ khaproperty
  • 05.11.2010 10:14:51 Uhr   Christian: Guter Artikel, unvestaendliche Kommentare
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