20.01.2010, 18:16
Angst vor Blase: Chinas Kreditmoratorium belastet "Schönwetter-Euro"
Den Machthabern in Peking wird die selbst ausgelöste Kreditflut zunehmend unheimlich. Für den Rest des laufenden Monats verhängen Regulierer nun einen Stopp. Die Investoren sind verschreckt: Der Euro fällt unter die Marke von 1,41 $.
von Christine Mai
und Tobias Bayer
Chinas Staatsführung hat einige große Geschäftsbanken des Landes angewiesen, die Kreditvergabe zu begrenzen. Das sorgte auf dem Kapitalmarkt am Mittwoch für große Unruhe: Der
Euro wertete gegenüber dem Dollar ab und fiel zum ersten Mal seit August unter die Marke von 1,41 $. Die Gemeinschaftswährung notierte am Abend bei 1,4092 $.
Die Aktienmärkte reagierten mit Verlusten, vor allem Banktitel gaben nach. Der
Dax schloss mit einem Minus von 2,1 Prozent bei 5852 Punkten. Der
Dow Jones büßte 1,7 Prozent auf 10.548 Zähler ein. Der Shanghai-Composite-Index fiel um 2,9 Prozent auf 3,152 Punkte. In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index 1,8 Prozent. Er schloss bei 21.286 Zählern und damit so tief wie seit fast einem Monat nicht mehr.
Chinesische Medien berichteten, die Banken seien angewiesen worden, den Rest des Monats keine Darlehen mehr auszureichen. Liu Mingkang, Chef des Bankenregulierers, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, einige Geldhäuser seien zu einer Drosselung aufgefordert worden, weil sie regulatorische Anforderungen nicht erfüllten, etwa zur Eigenkapitalausstattung. Das Kreditwachstum solle im Gesamtjahr auf 7500 Mrd. Yuan (1100 Mrd. $) begrenzt werden.
Der Schritt ist ein neues Zeichen dafür, dass in der Volksrepublik die Angst vor einer Überhitzung der Wirtschaft wächst. Erst vergangene Woche hatte die Zentralbank den Mindestreservesatz für die Banken um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Der Satz legt fest, wieviel Kapital die Kreditinstitute bei der Notenbank vorhalten müssen. Der Schritt gilt als klares Signal für eine baldige Zinswende.
Kursinformationen und Charts
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Dass der Euro unter der China-Geschichte leidet, begründeten Devisenhändler mit dem Hinweis auf die allgemein gegen die Gemeinschaftswährung gerichtete Stimmung. Die Devisenexperten der Commerzbank bezeichneten den Euro als "Schönwetter-Währung".
"Der Euro ist nach der jüngsten Griechenland-Krise nicht mehr der gleiche wie zuvor. Er scheint sensitiver auf globale Faktoren zu reagieren", schrieben sie in einem Researchbericht. "Die fiskalischen Probleme Griechenlands und anderer Euroraum-Länder haben die Sichtweise bestärkt, dass der Euro nur so lange gut funktioniert, wie die Konjunktur gut läuft und höchstens einmal von Mini-Rezessionen wie 2001 gestört wird."
Der gesamte Rohstoffsektor geriet unter Verkaufsdruck. Ausgeprägt waren die Verluste bei Industriemetallen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Der Kupferpreis brach um 1,9 Prozent auf 7405 $ je Tonne ein. "Die Kreditvergabe hat im letzten Jahr nicht nur den Aktien- und Häuser-, sondern auch den Rohstoffmarkt unterstützt. Die Einschränkung der Kreditvergabe sollte sich neben dem negativen psychologischen Effekt auch direkt auf die Märkte auswirken", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank.
Teil 2: Ende des Notfall-Modus
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FTD.de, 20.01.2010
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