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Merken   Drucken   15.05.2012, 12:29 Schriftgröße: AAA

BIP-Wachstum: Deutschland bewahrt Euro-Zone vor der Rezession

Vor allem dank der Exporte wächst die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal. Die Euro-Zone ist allerdings gespalten: Die Krisenländer Spanien und Italien stecken tief in der Rezession - selbst die niederländische Wirtschaft schrumpft.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Jens Büttner
Vor allem dank der Exporte wächst die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal. Die Euro-Zone ist allerdings gespalten: Die Krisenländer Spanien und Italien stecken tief in der Rezession - selbst die niederländische Wirtschaft schrumpft.

Dank der Rückkehr des Wachstums in Deutschland dürfte die Euro-Zone insgesamt in diesem Winter haarscharf an einer Rezession vorbei geschrammt sein. Das Bruttoinlandsprodukt der Währungsunion stagnierte in der Summe in den ersten drei Monaten gegenüber Vorquartal. Das teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Ende 2011 war es noch um 0,3 Prozent zurückgegangen. Bei zwei Minusquartalen in Folge sprechen Ökonomen von Rezession. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang um 0,2 Prozent erwartet.

Die Währungsunion bleibt wirtschaftlich aber tief gespalten: Deutschland schaffte trotz der Schuldenkrise mit 0,5 Prozent ein relativ kräftiges Wachstum. Die Nummer zwei, Frankreich, stagnierte. Schlimmer sieht es in den Krisenländern aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte wie schon am Jahresende um 0,3 Prozent und steckt damit wieder in einer Rezession. Ebenso erging es Italien, wo sich der Rückgang des BIP auf enorme 0,8 Prozent beschleunigte. Das ist der dritte Rückgang in Folge. Auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1 Prozent. Die niederländische Wirtschaft, einst als Musterbeispiel gelobt, schrumpfte ebenfalls im dritten Quartal in Folge.

Griechenland gerät sogar noch tiefer in die Krise: Im Jahresvergleich ging das BIP um 6,2 Prozent zurück. Das geht aus offiziellen Zahlen aus Athen hervor.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr trotz allem um 0,3 Prozent niedriger liegen wird als 2011. Für 2013 traut sie ihr wieder ein Wachstum von 1,0 Prozent zu.

Deutschland ist deutlich besser ins neue Jahr gestartet, als es Konjunkturexperten lange Zeit befürchtet hatten. Die Turbulenzen um die Euro-Staatsschuldenkrise hatte im zweiten Halbjahr 2011 auch hierzulande zu einem Absturz der Konjunktur geführt. Ende 2011 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft - zum ersten Mal seit fast drei Jahren.

Viele Experten hatten daraufhin auch für die ersten Monate 2012 mit einer Schrumpfung gerechnet. Selbst kurz vor Bekanntgabe der Zahlen am Morgen hatten 41 von Reuters befragte Analysten im Schnitt nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet, wobei die Schätzungen von minus 0,3 bis plus 0,2 Prozent reichten. Bei zwei Minusquartalen sprechen Volkswirte von Rezession.

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Ihre Erholung verdankt Europas größte Volkswirtschaft nach Angaben des Statistikamts vor allem den gut laufenden Exporten. Auch scheinen die Konsumausgaben nach einem Rückgang im vierten Quartal wieder gestiegen zu sein. "Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte - anders als die Importe - zum Jahresbeginn gestiegen", schrieben die Statistiker. "Außerdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal." Das habe die sinkenden Investitionen teilweise kompensieren können. Details wollen die Statistiker am 24. Mai nennen.

Der Anstieg der Exporte ist Experten zufolge bemerkenswert, da die Ausfuhren in die kriselnde Euro-Zone in den vergangenen Monaten teils drastisch gesunken sind. Diese Rückgänge sind durch starke Zuwächse der Verkäufe in andere Regionen mehr als wett gemacht worden.

Verglichen mit dem ersten Quartal 2011 lag das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent höher - wobei das Plus auf 1,2 Prozent schrumpft, wenn der zusätzliche Schaltjahrtag 2012 herausgerechnet wird. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent erhöhen soll. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf einem robusten Binnenmarkt. Sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Löhne sollen den privaten Konsum beflügeln, während niedrige Zinsen den Wohnungsbau und Investitionen ankurbeln dürften.

  • FTD.de, 15.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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