Das gilt auch für die meisten anderen Exportnationen. Ob die Niederlande, Schweden, Südkorea oder Singapur - für sie alle galt: je stärker der Einbruch 2009, umso stärker der Rückpralleffekt 2010. Am Ende sah der Verlauf ihrer wichtigsten Konjunkturkennzahlen seit Krisenbeginn gleich aus - nämlich wie ein V.
Nur die drittgrößte Volkswirtschaft fiel aus diesem Muster heraus. Japan litt unter einem starken Yen, zum Ende des Jahres warnten einige Volkswirte gar vor einem Rückfall in die Rezession. Auch die Versuche der Regierung und Notenbank, die Aufwertung des Yen zu stoppen, blieben weitgehend ergebnislos. In anderen Ländern machten die Währungen Exporteuren und Regierungen ebenfalls zu schaffen, im Herbst nahm der Streit um Wechselkurse mächtig Fahrt auf. US-Finanzminister Timothy Geithner scheiterte beim G20-Treffen in Korea mit seinem Vorschlag, Unter- und Obergrenzen für Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse festzulegen. Doch das Thema globale Ungleichgewichte dürfte als eines der großen ungelösten Probleme das Jahr 2010 überdauern.
Geithner dürfte das Jahr 2010 nicht nur wegen des Währungsstreits in schlechter Erinnerung behalten. Zwar blieben Sorgen vor einem Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession unbegründet. Doch die Erholung entfaltete nie die Kraft, um die Misere am Arbeitsmarkt zu beseitigen. Auch am Jahresende liegt die Arbeitslosenquote bei über neun Prozent. Die größte Volkswirtschaft der Welt verharrte 2010 in einem Teufelskreis. Die Krise am Häusermarkt ist immer noch nicht ausgestanden, was nicht nur Konsumenten, sondern auch Regionalbanken belastet. Sie sind für die Finanzierung des Mittelstands zentral, der wiederum entscheidend für die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ist. Ohne neue Jobs blieb die Stimmung der Verbraucher mäßig und die Erholung damit kraftlos - denn der Konsum steuert zwei Drittel zum US-BIP bei.
So löste ein anderes Land 2010 die USA als Lokomotive für die Weltwirtschaft endgültig ab. Chinas Wirtschaftsleistung legte voraussichtlich um über zehn Prozent zu - und zog mit seiner Nachfrage Exportnationen wie Deutschland mit sich. Doch das rasante Wachstum bleibt nicht ohne Schattenseiten. Die Gefahr von Spekulationsblasen am chinesischen Immobilienmarkt war eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft 2010 und dürfte es wohl auch im kommenden Jahr bleiben.