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  FTD-Serie: 20 Jahre Mauerfall

Am 9. November 1989 fiel der eiserne Vorhang in Deutschland - die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten wurde durchlässig. Eine FTD-Serie über die Wendezeit und was der Osten seit dem geschafft hat.

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  10.11.2009, 12:05    

Deutsche Einheit: Die ökonomische Mauer bleibt

Kommentar Trotz aller politischen Bemühungen ist Deutschland auch 20 Jahre nach der Wende noch kein einheitlicher Wirtschaftsraum. Und das wird wohl noch lange so bleiben.
Volker Nitsch ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Leiter des Fachgebiets Internationale Wirtschaft an der Technischen Universität Darmstadt.
Nikolaus Wolf ist Associate Professor of Economics der University of Warwick und Research Affiliate am Centre for Economic Policy Research (CEPR), London.
Vor 20 Jahren fiel mit der Berliner Mauer das Symbol für die Spaltung Berlins, Deutschlands, Europas und der Welt. Innerhalb weniger Monate wurden streng gesicherte Grenzanlagen komplett abgebaut. Mit dem Einigungsvertrag im Herbst 1990 verschwanden schließlich auch sämtliche übrigen administrativen Barrieren. Nach allgemeiner Lesart wurde damit aus zwei zuvor über Jahrzehnte getrennten Gebieten quasi über Nacht auch (wieder) ein Wirtschaftsraum.
20. Jahrestag Wie die Welt den Mauerfall feiert
Mit dem Fall der Berliner Mauer begann aber auch ein nahezu einzigartiges Experiment für Ökonomen, die nur selten die Möglichkeit haben, die Reaktion von Wirtschaftssystemen auf umfangreiche und unerwartete Veränderungen der Rahmenbedingungen zu untersuchen. Eine der großen Fragen im Bereich der internationalen Wirtschaft betrifft die Rolle politischer Barrieren für die Handelsbeziehungen im Zeitalter der Globalisierung. Jüngere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass - allen Freihandelszonen und Währungsunionen, aller modernen Kommunikationstechnik und Logistik zum Trotz - politische Grenzen weiterhin einen erheblichen verzerrenden Effekt auf Handelsströme aufweisen.
Auch wenn gelegentlich von einer Welt ohne Grenzen gesprochen wird: Der Warenverkehr innerhalb von Ländern übersteigt den vergleichbaren grenzüberschreitenden Handel um ein Vielfaches. Die Erfahrung der deutsch-deutschen Wiedervereinigung kann helfen, die Plausibilität verschiedener Erklärungsansätze für diese Beobachtung zu überprüfen.
Das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung zeigt, dass der Eiserne Vorhang in den innerdeutschen Handelsbeziehungen keineswegs über Nacht, sondern nur sehr langsam gelüftet wurde.
Konkret analysieren wir in der Studie erstmals die Transportströme zwischen allen 101 deutschen Verkehrsregionen über den Zeitraum von 1995 bis 2004 für die Transportträger Straße, Schiene und Wasser und für alle gehandelten Gütergruppen. Demnach ist der Handel zwischen den beiden ehemals getrennten Teilen Deutschlands zwar insgesamt deutlich schneller gewachsen als innerhalb der früher getrennten Territorien. Aber selbst im Jahr 2004, dem Ende unseres Beobachtungszeitraums, ist die ehemalige Grenze noch immer sehr klar in den Daten beobachtbar: Auch 15 Jahre nach dem Fall der Mauer ist das Niveau der Lieferverflechtungen zwischen den neuen und den alten Bundesländern etwa 30 Prozent unter demjenigen vergleichbarer Handelsbeziehungen innerhalb der neuen oder innerhalb der alten Bundesländer.

Teil 2: Was die Untersuchung zeigt

  • Aus der FTD vom 10.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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