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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   10.07.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Deutschlands Gegner im Wirtschaftstest: Kleine Südamerikaner - ganz groß

Vor den Spielen von Jogis Elf checkt die FTD, wie stark unsere Gegner wirtschaftlich aufgestellt sind. Im Spiel um Platz drei trifft Deutschland auf eines der kleinsten Länder Südamerikas: Uruguay. von Mathias Ohanian, Berlin
Als einziges südamerikanisches Land spielt Uruguay bei der Weltmeisterschaft unter den besten vier - und beweist damit, was die meisten der 3,3 Millionen Uruguayer längst wissen: dass sich eines der kleinsten aller südamerikanischen Länder mit den großen Nachbarn Argentinien und Brasilien messen kann. "Uruguay ist wirtschaftlich eines der am besten entwickelten Länder in ganz Südamerika", sagt Luis Cezario, Ökonom bei Goldman Sachs.
Seit acht Jahren wächst die Wirtschaft ohne Unterbrechung. Auch die globale Krise konnte den Aufschwung nicht stoppen; 2009 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent - ein Erfolg, den die Regierung in Montevideo ohne große fiskalische Kraftanstrengung erreichte. Das Haushaltsdefizit lag Ende 2009 bei 1,7 Prozent des BIPs.
Und für 2010 rechnen Ökonomen mit einem Plus von sechs Prozent. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte Uruguays Wachstum das zweithöchste im gesamten südamerikanischen und karibischen Raum sein. Damit liegen die Experten über dem von der Weltbank für Lateinamerika erwarteten Wachstum von vier Prozent.
Deutschland - Uruguay: Die Teams im Vergleich   Deutschland - Uruguay: Die Teams im Vergleich
Getragen wird der Aufschwung vom Exportschlager Fleisch und anderen Agrargütern sowie dem privaten Konsum. "Die Ausfuhren werden in diesem Jahr 6 Mrd. Dollar erwirtschaften. Das macht 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus", sagt Pablo Rosselli, Direktor der Beratungsfirma Deloitte in Montevideo. Damit habe Uruguay bei den Ausfuhren das Vorkrisenniveau von 5,9 Mrd. Dollar erreicht.
Berücksichtige man, dass die Exportpreise gegenüber 2008 gesunken seien, liege das tatsächliche Exportvolumen sogar über Vorkrisenniveau. "Der stärkste Motor der Erholung ist jedoch der private Konsum", so Rosselli. Der macht fast 70 Prozent des BIPs aus und dürfte auch 2010 weiter anziehen.
Zwar ist laut Rosselli davon auszugehen, dass nach den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr kein zusätzlicher Stimulus vom Staat ausgeht. Präsident José Mujica werde nach den Wahlgeschenken vom Vorjahr versuchen, die Ausgaben stabil zu halten. Doch das anhaltende Wachstum hat den Wohlstand gefördert. "Die Einkommen der privaten Haushalte wachsen seit fünf Jahren stetig und stützen den Konsum", meint Rosselli. Laut einer Studie des Nationalen Instituts für Statistik sind Löhne und Renten im Januar und Februar um 3,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2009 gestiegen.
Eine Gefahr der Überhitzung sehen Experten im Moment jedoch nicht. Nach Deloitte-Schätzung dürften die Preise in diesem Jahr mit rund 6,5 Prozent für südamerikanische Verhältnisse relativ moderat ansteigen. Sorge bereitet indes Europa: Sollte der alte Kontinent erneut in die Rezession rutschen, würde dies das globale Wachstum und damit auch die Nachfrage nach Agrargütern bremsen.
Obwohl die Celeste bereits zweimal die Weltmeisterschaft gewinnen konnte und das Land eine stolze Fußballnation ist, waren die Erwartungen vor Beginn der WM nicht allzu hoch. Der Glanz verblasste in den vergangenen Jahren: Uruguay konnte sich nur für zwei der letzten fünf Weltmeisterschaften qualifizieren. Und auch wenn Ökonomen dem kleinen Land in Südamerika mithilfe ihrer Prognosemodelle nur wenig Erfolgschancen im Spiel um den dritten Platz bescheinigen - die großen Nachbarn hat Uruguay hinter sich gelassen.
  • Aus der FTD vom 10.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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